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Genre: Ausstellungen
Film/Foto/Neue Medien

Erinnerung und Gegenwart
europamemoria
Die Gedächtnisse Europas

Das alte Europa, welches von sich selbst immer noch ein Bild der Sesshaftigkeit und Tradition entwirft, bewegt sich: In europäischen Städten sieht man Gesichter aus der ganzen Welt. Viele dieser "Fremden" sind StaatsbürgerInnen der jeweiligen Länder: manche flüchteten nach Europa, manche wurden bereits hier geboren. Die Wiener Filmemacherin Ruth Beckermann sammelte für ihre Video-Installationen "europamemoria" Gesichter und Geschichten zu den vielfältigen, vielfach keinesfalls freiwilligen Ursachen der Migrationsbewegungen.

Die Dynamik der Migrationsbewegungen verändert nicht nur lokale Besonderheiten, sondern auch das kollektive Gedächtnis. Hinter jedem Gesicht, das man betrachtet, verbergen sich persönliche Erinnerungen, die ganz unterschiedliche Lichter auf die konfliktreiche europäische Geschichte werfen. Manchmal ruht der Blick länger als üblich auf einem Gesicht, zoomt näher - hinein in die Zone der Erinnerungen.
Die Filmemacherin Ruth Beckermann versammelte für das Projekt "europamemoria" 25 solcher Gesichter und Geschichten, die auf 25 Bildschirmen in 25 begehbaren Kabinen im Dom im Berg gezeigt wurden. Joop z. B., der in Indonesien geboren wurde, als Kind in einem japanischen Konzentrationslager war, heute in Den Haag lebt, doch die Landschaft seiner Kindheit im Herzen trägt, ohne der Kolonialzeit nachzutrauern. René, Französischlehrer in Nizza, ein Prinz aus der Familie des letzten Kaisers von Vietnam, der als Achtjähriger vor Ho Chi Min flüchten musste. Wojteck, der als Medizinstudent von Krakau nach Wien kam und sich erst hier, am Krankenbett einer Jüdin, zu fragen begann, was sich zwischen nichtjüdischen und jüdischen Polen zugetragen hatte. Nikolai, der als sowjetischer Soldat das AKW in Tschernobyl reinigen musste, strahlenkrank ist und nach St. Petersburg zog, weil er das Klima besser verträgt. Als Ukrainer bekommt er in Russland jedoch keine Aufenthaltsgenehmigung ...
Die Gespräche wurden in extremen Close Ups gedreht. Die Aufmerksamkeit wurde dadurch gänzlich auf die Landschaft eines Gesichts, den Laut einer Stimme gelenkt. Die so erzählten Geschichten hatten jeweils eine Länge von etwa zehn Minuten (Originalsprache mdU), die Besucher montierten ihren eigenen Film, indem sie die Reihenfolge der Kabinen selbst wählten und die Länge ihres persönlichen Films bestimmten. Sie waren allein in der Kabine, allein mit einem Gesicht, einer Geschichte. Dadurch entstand eine intime Beziehung zwischen ErzählerIn und BetrachterIn, welche zu anderen Erfahrungen führt als das kollektive Erlebnis einer Filmvorführung.
Während der Laufzeit der Ausstellung fand im Filmzentrum im Rechbauerkino zudem eine Filmwoche zum Thema "Erinnerung filmen" mit Filmen von Ruth Beckermann statt. Zu Ausstellung und Werkschau erschienen ein Katalog und eine DVD.

Idee, Konzeption und Durchführung: Ruth Beckermann

Ein Projekt von Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas.

Datum:29.08.2003 - 28.09.2003
Ort:Dom im Berg
Filmzentrum im Rechbauerkino





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