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Philosophie und Projektgeschichte
Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas

Am 28. Mai 1998 wurde Graz der Titel "Kulturhauptstadt Europas" für das Jahr 2003 zuerkannt. Die "Motoren" hinter der Bewerbung und letztlich auch hinter dem Gesamtprojekt Graz 2003, der damalige Kulturstadtrat Helmut Strobl und der damalige Bürgermeister Alfred Stingl, kommunizierten diesen Erfolg und gingen sofort auf die Suche nach einem Intendanten oder Programmdirektor, dessen Profil einerseits Erfahrung im Kulturbereich - national wie international -, andererseits aber bewusst eine Außensicht/Position und somit Unabhängigkeit von der lokalen Szene auszeichnete. Im Sommer 1998 wurde der gebürtige Grazer Wolfgang Lorenz, Planungs- und Koordinationsdirektor bzw. vormaliger Kulturchef des Österreichischen Rundfunks (ORF) in Wien und in den Jahren 1998-2000 Landesintendant des ORF in der Steiermark eingeladen, ein Konzept für Graz als Kulturhauptstadt zu entwickeln. Parallel dazu wurden Informationsveranstaltungen mit ProtagonistInnen der Grazer Kulturszene und der Medien organisiert und VertreterInnen vormaliger Kulturhauptstädte eingeladen, in Graz über ihre Erfahrungen zu referieren.

Im Jänner 1999 legte Wolfgang Lorenz der Stadtregierung und dem Gemeinderat dieses 1. Konzeptpapier unter dem Titel "Im Namen der Windrose. Graz goes Europe - Europe goes Graz" vor, das bereits einige Leitlinien definierte: Etwa dass Graz "auf kulturellem Boden stehe, eine kulturelle Identität habe und dem entsprechend über attraktive Standards verfüge", die es in erster Linie zu nützen gelte und auf denen das Sonderprogramm für das "magische" Jahr aufbauen müsse. Die Chance Graz international zu positionieren, sollte "rechtzeitig mit Wirtschaft und Tourismus" kommuniziert werden - "Graz goes Europe - Europe goes Graz", wobei Lorenz die in den Bewerbungsunterlagen deutlich festgelegte Fixierung auf Südosteuropa in eine bewusst gesamteuropäische Annäherung umwandelte. Einen wesentlichen Aspekt stellte in dieser ersten Annäherung bereits die Nachhaltigkeit dar: "Die Chance, über 2003 hinaus zu wirken, sollte gleichsam als Hauptlinie für alle Aktivitäten gelten." Und schon damals bestand Wolfgang Lorenz darauf, dass "Marketing und Medienarbeit insgesamt einen sehr hohen Stellenwert (+ Budget) erhalten müssten".
Inhaltlich sollte "höchste Qualität mit größtmöglicher Akzeptanz" verbunden und "einem möglichst großen Publikum Kultur als Mittel der positiven Lebensbewältigung" angeboten werden.
Beispielhaft schienen bereits erste Projektskizzen in diesem Papier auf - etwa die "Graz-Pyramide", die sich im Laufe der Programmerarbeitung zum "Berg der Erinnerungen" konkretisierte, oder ein deutlicher Schwerpunkt im Bereich "Religion".

Nach der offiziellen Bestellung des Intendanten durch die Stadtregierung auf Basis dieses ersten Konzeptes wurde ab 01. Februar 1999 ein Kulturhauptstadt-Büro mit einer Mitarbeiterin in der Herrengasse 28 installiert, wohin nun alle Projektvorschläge adressiert werden konnten.
Am 13. Februar 1999 fand die erste Sitzung des so genannten Programmarbeitskreises des Intendanten statt - ein Gremium, das die Programmplanung der Kulturhauptstadt in den nächsten Jahren wesentlich beeinflusste und begleitete und sich folgendermaßen definierte:

"Der Programmarbeitskreis ist ein vom Intendanten aus freien Stücken eingeführtes 'Instrument' zur Entwicklung und Steuerung des Programms für 2003. Er dient der Innovation, dem Diskurs, der Projektarbeit und gibt dem Intendanten Hilfestellung bei seinen Entscheidungen, bzw. dient als vom Intendanten selbstgewählte Kontrollinstanz. Der Programmarbeitskreis ist kein Gremium, kein Teil der Geschäftsordnung, keine Jury. Der Intendant trifft die Letztentscheidungen völlig autonom. Dem Programmarbeitskreis gehören an: Die Mitglieder der Geschäftsführung, Mitglieder des Teams für 2003, jeweils ein Vertreter/eine Vetreterin von Stadt, Land und Bund (diese vor allem als Informationslink zu den Auftraggebern, aber nicht nur), sowie aus der lokalen wie gesamtösterreichischen Szene.
Die Zahl von Mitgliedern ist den aktuellen Arbeitserfordernissen angepasst, verändert sich nach oben wie unten, nicht zuletzt weil die einzelnen Persönlichkeiten ihre Interessenslagen, ihre persönliche Befindlichkeit, ihre Übereinstimmung mit dem entstehenden Produkt und nicht zuletzt ihre Kapazitäten versus auch der Aufwändigkeit einer solchen (nur durch ein Sitzungsgeld abgegoltenen) Tätigkeit überprüfen. Auch dieser Arbeitskreis ist als "work in progress" aufzufassen.
Die Mitglieder des Programmarbeitskreises sind eingeladen, über die von ihnen vertretenen Genres hinaus als "Generalisten" zu fungieren, in diesem Sinne Projekte von außen mit zu bewerten, zu entwickeln und produktionsreif zu machen, aber natürlich auch eigene Ideen und Projekte einzubringen, wie dies das innere Team von Graz 2003 auch tut."

Die wesentliche Arbeit in dieser Anfangsphase bestand einerseits in der Sichtung/Klassifizierung der eingegangenen Projekte (allein Mitte 1999 über 200, insgesamt bis Ende 2003 896), in der Erstellung erster Programmlinien/Entwicklung von Projekten und in der Vorbereitung einer ersten Publikation. Bewusst wurde auf die inhaltliche Einschränkung durch ein Motto/Thema verzichtet.
Parallel dazu wurde die Entwicklung eines Logos einer Corporate Identity für die Kulturhauptstadt vorangetrieben. Am 13.03.1999 fiel nach vorangegangener Ausschreibung die Wahl einer Expertenrunde eindeutig auf den Entwurf der Wiener Firma DMC.
Am 23. November 1999 schließlich wurde das Programmbuch I, von DMC gestaltet, der Öffentlichkeit - Politik, Presse und Kulturschaffende - im Beisein des Programmarbeitskreises im Eisernen Haus, in dem sich heute die Camera Austria/Kunsthaus befindet, präsentiert.
Das Programmbuch I festigte die Grundphilosophie eines breit angelegten Kulturbegriffs und betonte neben der Chance "europaauffällig" zu werden, die Relevanz der Einbeziehung der Bevölkerung und insbesondere der "Zielgruppe" Jugend im Sinne der erwähnten Nachhaltigkeit.

Viele Projekte wurden bereits damals (in einer Konzeptskizze) präsentiert - beispielsweise die Insel in der Mur, die "17 Grazer Kulturbezirke" (unter dem damaligen Sammeltitel "Stadtbefindlichkeit", das p.p.c. und das Kindermuseum im Bereich "Kinder und Jugend", Projekte der Universitäten, aus dem Bereich Neue Medien wie Chess003, Ausstellungsprojekte wie "Venus im Pelz" (späteres Sacher-Masoch-Festival) oder "real*utopia", das "Oster-Fest" (später "Psalm 2003") der styriarte oder der Schwerpunkt szenische Kunst im Bereich Theater, das Jazzkartell oder die Stadtmusik im Bereich Musik. Film und Fernsehen war ebenso ein Schwerpunkt gewidmet wie dem Bereich Religion und Kulturen bzw. der Literatur - eine erste Sparteneinteilung, die im Wesentlichen weitergeführt wurde.
Klar definierte sich die Kulturhauptstadt als Motor und Gestalterin im Sinne einer Stadtentwicklung - Bahnhof, Umgestaltung des Hauptplatzes, Kunst- und Literaturhaus, Kindermuseum und die Insel in der Mur waren, wenn auch nur im Falle der Insel, aus diesem finanziert, wichtige Bestandteile des Programmes.
Das Jahr 2000 stand einerseits im Zeichen der Konkretisierung des Programms, andererseits wurde die erste Form der Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas GmbH etabliert - mit einem Geschäftsführer, einem Marketingleiter und diversen MitarbeiterInnen. Aufgrund inhaltlicher und persönlicher Differenzen verließ ein Gros des Teams des Geschäftsführes samt diesem im Herbst 2000 wieder die GmbH; die aktuellen Geschäftsführer mit dem Kernteam ihrer MitarbeiterInnen wurde Anfang 2001 eingesetzt.
Im April 2001 erschien dann das 2. Programmbuch, ein bereits sehr detailliertes und umfangreiches Produkt, in deutsch und englisch, dass nun einen ersten chronologischen Überblick lieferte und bereits eine bewusste Choreografie über das Jahr legte. Auch das Beiprogramm, also Projekte, die mitkommuniziert wurden, aber nicht im eigentlichen Programm liefen bzw. aus diesem finanziert wurden, wurde hier vorgestellt. (Das sehr launige Vorwort des Intendanten gab einen Stimmungsbericht auf dem Weg zur Kulturhauptstadt wieder.) Parallel dazu wurde die erste Marketingschiene unter dem Titel "Graz - wer hätte das gedacht" JournalistInnen, ProjektpartnerInnen und Politik präsentiert.
Im November 2002 schließlich lag das endgültige Programm in Form eines Textbandes und eines Kalendariums vor.


>> Vorwort Programmbuch 1

>> Vorwort Programmbuch 2



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