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Literatur


Certamen graecense
Graz "klassisch"

Eine Stadt der Literatur oder besser gesagt, eine Stadt in der Literatur - das ist Graz seit Jahrhunderten, nicht erst seit der Gründung des "Forum Stadtpark" im Jahr 1960, "als die Grazer auszogen, die Literatur zu erobern".

Aber das ist weithin unbekannt oder in Vergessenheit geraten: Schon aus dem Spätmittelalter, aus der Renaissance und dem Humanismus und vor allem dann aus der Barockzeit gibt es eine Fülle literarischer Texte im weitesten Sinn, welche die Stadt Graz und ihr Umland zum Thema haben. Die Texte entstanden z. T. im Bannkreis bedeutender Persönlichkeiten wie z. B. Kaiser Friedrich III., später vor allem im Bereich der Universität. Sie lassen wichtige Ereignisse, Personen und Zustände plastisch hervortreten und schildern uns anschaulich Lage und Bild der Stadt, sie erzählen uns bunte Sagen und Legenden von Graz und dem steirischen Umland und sie fingieren ein poetisches Graz-Bild. Darunter befinden sich auch die ersten Gedichte, die sich mit Graz oder mit markanten Punkten der Stadt und ihrer Umgebung befassen. Dazu kommt eine stattliche Reihe von historischen Inschriften, die über die Grazer Altstadt verteilt ebenfalls unmittelbaren Bezug zur Stadtgeschichte, zu Bauwerken und zu Persönlichkeiten der jeweiligen Zeit aufweisen und heute noch sichtbar sind. Gemeinsam ist zahlreichen dieser Texte, dass sie in den klassisch-humanistischen Sprachen Latein und Griechisch abgefasst sind. Die Texte reichen vom 15. Jahrhundert bis ans Ende des 19. Jahrhunderts, im Bereich der Inschriften bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Sie wurden zum Großteil noch nie in neuerer Zeit publiziert, geschweige denn übersetzt. In einem Projekt der Arbeitsgemeinschaft Klassischer Philologen der Steiermark wurden diese Texte erstmals wenigstens teilweise übersetzt und einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert.

Das Projekt gliederte sich in drei Teile: in einen Wettbewerb am 3. April 2003, in eine öffentliche Schluss-Veranstaltung mit der Preisverleihung an die GewinnerInnen des Übersetzungswettbewerbs und einer Lesung ausgewählter Graz-Texte durch SchauspielerInnen am 17. Juni im Foyer der Helmut-List-Halle und schließlich in ein Projekt der Nachhaltigkeit: Gedacht ist u. a. an eine in Buchform veröffentlichte Sammlung der interessantesten lateinischen (und griechischen) Graz-Texte quer durch die Jahrhunderte, die natürlich auch übersetzt und kommentiert sein müssten.

Im November 2002 erging eine schriftliche Einladung an alle Latinisten und Gräzisten der steirischen Gymnasien. Die besten Latein- und Griechisch-SchülerInnen aller Schulen sollten animiert werden, sich am heurigen Landeswettbewerb "Jugend übersetzt" zu beteiligen. Die besten ÜbersetzerInnen der Latein- und Griechisch-Klausur konnten sich im Anschluss dem eigentlichen "Graz-Wettbewerb" stellen und erhielten spezifische Graz-Texte zur Übersetzung vorgelegt, Texte, welche noch nie ins Deutsche übertragen wurden. Da im Griechischen das vorhandene Textcorpus wesentlich kleiner ist, kam hier noch eine Besonderheit hinzu: Es wurden Fotos von griechischen Gebäude-Ornamenten und griechischen Architektur-Elementen aus dem Grazer Stadtbild, dazu noch Bilder von griechischen Mythen aus Graz vorgelegt, die zu erkennen und zu benennen waren. Attraktive Geld-Preise zeichneten dann die besten Leistungen aus.

Dieses Projekt der steirischen Arbeitsgemeinschaft Klassischer Philologen, das Certamen Graecense, soll einer historisch interessierten Öffentlichkeit in Erinnerung rufen: Die Stadt Graz lebt literarisch seit langem, bruchstückhaft im Mittelalter, dann immer reicher in Renaissance und Barockzeit, und diese Literatur ist weitgehend lateinisch. Zugleich soll damit in der Öffentlichkeit deutlich gemacht werden, dass das Lateinische nicht nur die Sprache der "alten Römer" war, sondern auch jenes Medium der Kommunikation, das für "Graz-Texte" bis ins 20. Jahrhundert in Verwendung stand, und dass wir aus diesen Texten Wissen und Erkenntnis über Graz schöpfen und dazu noch literarischen Genuss gewinnen können.

Die Altstadt von Graz gehört seit 1999 auch zum Weltkulturerbe. Durch das Certamen Graecense und vor allem durch die Schlussveranstaltung wurde die Kulturgeschichte dieser Stadt im Jahr der Kulturhauptstadt Europas wenigstens teilweise öffentlich lesbar gemacht , wies in Ergänzung zu den zahlreichen anderen Veranstaltungen aus diesem Anlass auf die kulturell-literarische Tradition unserer Stadt hin. Am Schnittpunkt von Stadt- und Landesgeschichte, von Klassischer Philologie und Literaturwissenschaft sollte deutlich werden, dass Zum-Weltkulturerbe-Gehören stets auch mit Vergangenheit zu tun hat: Sowohl Kultur als auch Erbe setzt Vorgänger und Vorfahren voraus, und diese Vorgänger und Vorfahren kennen zu lernen und zu verstehen und damit zugleich auch die Gegenwart besser zu begreifen, dazu trug dieses Projekt bei.

Projektleitung: Dr. Wolfgang J. Pietsch, Akademisches Gymnasium GRAZ

Datum:Schluss-Veranstaltung: 17.06.2003
Ort:Helmut-List-Halle, Foyer




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