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Genre: Wissenschaft/Religion
Musik


Psalm 2003
Festgesänge dreier Religionen

Musik ist Trägerin des Heiligen. Viele Jahrhunderte waren Tonkunst und Religion ganz selbstverständlich miteinander verknüpft. Die Osterzeit 2003 war Anlass, dieser Verbindung neu nachzuspüren, unter einem Titel, der die Urform der Ehe von Glaube und Musik benennt: Psalm.

Drei Weltreligionen begingen im März und April 2003 ihre großen Feste: die Christen Ostern, die Juden Pessach und die Muslime Aschura. "Psalm 2003" lud ein, diese ganz in ihren eigenen musikalischen Traditionen verwurzelten Feste mitzufeiern. Denn viele Jahrhunderte lang war die Verbindung zwischen der Tonkunst, der Theaterkunst und der Religion ganz selbstverständlich. Die großen Feste des Glaubens mit ihren Liturgien und Feierlichkeiten wurden musikalisch bereichert und bildeten ein Koordinatensystem, auf dem Kunst und Glaube grundsätzlich verschmolzene Lebenshaltungen prägten. Dieses Faktum ist, bei aller Unterschiedlichkeit, für alle drei großen monotheistischen Religionen gegeben, im christlichen Abendland ist diese Selbstverständlichkeit inzwischen jedoch fast verschwunden und nur mehr rudimentär erfahrbar.

Das Jahr der "Kulturhauptstadt Europas - Graz 2003" wurde von styriarte-Intendant Mathis Huber zum Anlass genommen, der Verbindung zwischen Musik und Religion ein neues Augenmerk zu schenken. Ein kalendarisches Zusammentreffen besonderer Art fungierte dafür als liturgischer und funktioneller Rahmen. Mit dem Aschermittwoch beginnt traditioneller Weise die Fastenzeit, gleichzeitig fand 2003 aber auch der Neujahrstag des islamischen Jahres 1424 statt. Zehn Tage später feierten die Muslime das Aschura-Fest, das an das Erreichen des Berges Ararat durch Noahs Arche erinnert. Für die Schiiten ist dieser Tag dem Gedenken der Ermordung des Mohammed-Enkels Hussein gewidmet. Der erste Pessachfesttag des jüdischen Jahres 5763 fiel dann auf den Gründonnerstag der evangelischen und katholischen Christen, das Osterfest der Orthodoxie folgte eine Woche später. "Psalm 2003" lud dazu ein, diese Feste mitzufeiern, sie in ihrem Glaubensgehalt, ihren faszinierenden Geschichten und ihren ganz eigenen Philosophien kennen zu lernen, v. a. aber durch ihre Musik sowie ihre nicht zuletzt auch kulinarische Genüsse bereithaltenden Traditionen.

Die Keimzelle der geistlichen Musik ist der Psalm. Das gesungene Gebet steht für eine spirituelle und rituelle Durchdringung von Wort und Gesang. Die biblischen Geschichten in der jüdischen Tradition sind dabei ohnehin für den Vortrag geschaffen, man kann die hebräische Schrift nämlich auch wie eine Art Notation lesen, als Angabe über die Art und Weise, wie sie vorgetragen werden soll: gesungen. In einer Kultur, in der die mündliche Überlieferung einen so großen Stellenwert besitzt, verwundert das freilich nicht, dies gilt aber ebenso für die Verbreitung des Christentums, an der hymnische Gesänge einen großen Anteil haben. Und selbst die Kraft der Reformationsbewegung um Martin Luther ist neben der theologischen Überzeugungsmacht und der Bibelübersetzung vor allem einer populären Macht der Musik zu verdanken, dem Choral. Die puristische islamische Tradition findet dagegen ihren Weg ganz schnörkellos in einer rituellen Zuspitzung des psalmodierten Gebets.

Ein Kontinuum bei "Psalm 2003" bildete die Kunst Johann Sebastian Bachs, dessen Kantaten für die Fastenzeit und des Osterkreises dabei an jenen Festtagen, für die sie komponiert wurden, zu hören waren; kombiniert mit Psalmvertonungen der jeweiligen Sonntagsbibeltexte und kommentiert von Poeten und Denkern unserer Zeit. Weitere Höhepunkte stellten Psalmvertonungen vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart, ein mittelalterliches Mysterienspiel zum Palmsonntag, "Finstermetten" mit den Passionsresponsorien von Gesualdo, die Aufführung von Bachs "Johannespassion" in der originalen solistischen Besetzung, eine halbszenische Aufführung der Kirchenoper "Il fonte della salute" von Johann Joseph Fux durch "Il Giardino Armonico", ein jüdischer "Seder-Abend" mit Gastmahl und schließlich liturgische Gesänge orthodoxer Osterfeiern dar.


Idee und Konzeption: Mathis Huber
Durchführung: Steirische Kulturveranstaltungen GmbH

Eine Koproduktion von Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas und Styriarte - Steirische Kulturveranstaltungen GmbH, Graz.

Datum:05.03.2003 - 27.04.2003
Ort:Franziskanerkirche
Grazer Dom
Heilandskirche
Helmut List-Halle
Herz-Jesu-Kirche
Kulturzentrum bei den Minoriten
Mariahilferkirche
Minoritensaal





externe links:
http://www.styriarte.com




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