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Programm
Genre: Wissenschaft/Religion


Das Europa der Utopien
Interdisziplinäre Lehrveranstaltung und Symposium

Zum Verhältnis von Religion, Utopie, Kunst am Beispiel der Stadt in der Moderne.

Das Projekt "Das Europa der Utopien" der Institute für Fundamentaltheologie (Univ. Prof. Dr. G. Larcher) und Religionswissenschaft (Univ. Prof. Dr. K. M. Woschitz) war als Begleitreflexion für Graz 2003 gedacht und thematisierte das Verhältnis von Religion, Utopie und Kunst am Beispiel der Stadt in der Moderne. Es wurde über mehrere Semester als fortlaufende interdisziplinäre Lehrveranstaltung (Privatissimum) geführt.

Europa ist die Heimat aller neuzeitlichen Utopien und Ideologien - mit allen positiven wie negativen Erfahrungen. Die Lehrveranstaltung versuchte diesen Reflex utopischer Entwürfe in der Kulturgeschichte Europas sowohl in einem breiteren geistesgeschichtlichen Horizont als auch in konkreten regionalen Bezugnahmen auf die Stadt in der Moderne (mit der besonderen Konkretion 'Graz') zu analysieren.

Dabei ging es um die Genese utopischen Denkens aus mythologischen und antik philosophischen Wurzeln, um seine Transformation bzw. Anschärfung durch die biblisch christliche Eschatologie sowie seine Radikalisierung durch Prozesse neuzeitlicher Säkularisierung und Ideologienbildung.

Ausgangspunkt war, dass das moderne utopische Potential weithin aus einem Dekonstruktionsprozess jüdisch-christlicher Überlieferung (cf. 'Reich Gottes', 'Himmlisches Jerusalem') sowie einer Rückprojektion humanistischer und aufklärerischer Ideale (cf. Idealstadtentwürfe) in die griechische und römische Antike erwächst. Daraus ergibt sich ein Zusammenhang zwischen der Utopienflaute in der Gegenwart und dem Schicksal der Religion in der realisierten Moderne bzw. der Gedächtnislosigkeit der Weltzivilisation.

Religion scheint einerseits säkularistisch beerbt bzw. ästhetisch ersetzt und andererseits fundamentalistisch vereinnahmt zu werden; beides wirkt lähmend bzw. gefährlich für die Entfaltung visionärer Ideen in Gesellschaft, Kultur, Politik. Wie kann nun Religion als Kulturfaktor, gefiltert durch kritische Rationalität, offen für Pluralismus und Dialog, wieder impulsgebend werden?

Das Projekt behandelte für eine rekonstruierende Aufhellung des Europas der Utopien chronologisch und problemgeschichtlich Neuzeit, d. h. Renaissance, Barock, Aufklärung/Klassizismus, Romantik und Moderne.. Dabei wurde über die expliziten Utopienkonzepte bei Campanella, Morus, Bacon, Swift, Novalis u. a. hinaus das jeweilige Ideal einer differenzierten Einheit von Religion, Politik, Kultur bedacht .

Konkret ging es auch um Reflexe des Utopischen in der Wechselbeziehung von Kunst und Religion in der Stadtentwicklung seit Humanismus und Renaissance (Rom, Salzburg, Paris, St. Peterburg, Wien sind europäische Vergleichsbeispiele). In diesen Prozessen zeigt sich, dass die Stadt nicht mehr Utopien aus einem Guss repräsentieren kann, wie die neuzeitlichen Idealstadtkonzepte es suggerierten; das wäre ungeschichtlich und latent gewalttätig; sie wird also nicht dann das Utopienthema für heute am besten verkörpern, wenn sie jenen abstrakten Idealen entspricht, sondern wenn sie einen kulturellen Mehrzeitenraum verkörpert, der auch der Geschichte Rechte einräumt, d. h. plural die verschiedenen Lebensräume und Stile der Jahrhunderte gelten und koexistieren lässt.
Im Blick auf die Zukunft ist allerdings die Annahme leitend, dass einem erneuerten visionären Denken wohl nur unter Einbeziehung von Kunst und kritischer Religion aufgeholfen werden kann. Die Hoffnungsbilder gelingenden Lebens und von der Stadt als Ort solcher Praxis werden von ihnen entfacht und genährt und müssten in toleranten wie mutigen stadtplanerischen Konzepten zum Ausdruck kommen.

Ein Projekt der Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Fundamentaltheologie in Kooperation mit Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas.






externe links:
http://www.uni-graz.at/graz2003/




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