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Genre: Literatur


writers in residence: Willi Hengstler
MAY in GRAZ oder Zappen mit Rosegger

1.
Kosmischer Desktop, göttliches Schrillen, mildes, freundliches Piepsen des Servers.
Connected!
Violetter Netscape-Wirbel mischt den Cyber-Kosmos auf. Aus der Tiefe des Raumes dreht sich das eckige "graz 2003" heraus, fliegt groß vorüber und verzieht sich wieder ... Karl Mays Antlitz taucht auf, screenfüllend, geisterhaft violett im Netscapelogo.


KARL MAY
(off) Sei mir gegrüßt, Du liebes Österreich!
Du ragst so hoch und bist so tief gegründet.
Schon graut der Morgen, und nun kommt wohl gleich...

Abblende, Schwarz
(off) Rrruumms ... dumpfer Aufprall

2.
Auf einem Acker bei Friesach/Stmk der 61jährige, aber gut erhaltene Karl May in seinem klassischem Outfit: breitrandiger Stetson, kräftige Bärenzahnkette, Lederhemd mit Fransen, schräg über der Brust das Lasso, gut gespickter Waffengurt, hohe Stiefel. Bei der harten Landung ist ihm die Brille auf die hohe Stirn gerutscht und sein altblondes Haar, Schnauzer und Spitzbärtchen sind mit Erde verklebt.

Mays rotgeädertes Auge späht durch ein Brillenglas.
Der Blick fällt auf den poliertem Silbernagel eines Gewehrkolbens, in dem sich unter der Bedeckung eines Steirerhutes ein freundliches Gesicht mit Schnauzer und mit Brille spiegelt.

Karl May und Peter Rosegger setzen sich auf und blicken benommen um sich. Neben May der Bärentöter, Henrystutzen und Winnetous Silberflinte. Hinter den beiden Poeten hebt Rih der Rappe, Winnetous Geschenk, zierlich den rechten Lauf und blickt bekümmert auf die Lehmklumpen an seiner Fessel.

KARL MAY
(ff) ... Die Sonne, welche dir den Tag verkündet.
Es schauen dir der Erde Völker zu,
ob du wohl wirst aus diesen Tiefen steigen
Und hast du es getan, so öffnest du
Das Eisentor, um dich als Held zu zeigen


Peter Rosegger klopft sich mit einer Ausgabe seines berühmten "Heimgarten" Erde von seinem Steirerrock.

PETER ROSEGGER
Sackerment! (Er streckt May eine gepflegte Schriftstellerhand hin)
Mein lieber Karl May ... Ich glaubte Euch in Leoben, der Perle der Obersteiermark. Strengt ihr nicht gerade einen Prozess gegen den Benediktiner Willibrord Beßler an, weil er behauptete, ihr wärt einmal im Irrenhaus gewesen?


KARL MAY
Pshaw! Außergerichtlich beigelegt; Prozess einvernehmlich beendet! Ich bin nicht irre! Nie in einer Anstalt gewesen. Geistig völlig normal! (Er fasst Roseggers Hand mit nervigem Druck)

(Off, für sich, Räsonnement) ... das alte Arschloch. Hat mich nur zweimal veröffentlicht: 1876 meine "Rose von Kahira" und 1878 "Die falschen Excellenzen". Wundert sich jetzt vermutlich, dass ich heute hundert mal berühmter bin als er.

ff
War wirklich ein angenehmer Aufenthalt. Habe sogar ein Gedicht darüber gedichtet.
(Nimmt Vortragshaltung ein)
"Sei mir gegrüßt du liebe alte Stadt Leoben
Noch lebt dein Wappen-Strauß, auch trägt er noch die Eisen
Wer dich gesehen und dich verstanden hat
Der geh nicht weiter, ohne dich zu grüßen
Ich schließe dankbar dich ins Herze ein
Dass du mich hier so freundlich aufgenommen
Und wenn du mir versprichst mir gut zu sein
So wird ich gern und fröhlich wiederkommen"

PETER ROSEGGER
(Peter Rosegger applaudiert Karl May )
Bravo! Bravissimo! Aber was wollt Ihr jetzt unternehmen?

KARL MAY
Nach Graz! Ich will nach Graz, in die Genieecke am Rande des Balkan; zum einzigen Avantgarde Allspartenfestival der Welt. Wenn ich da reüssiere, bin ich aus allem Schmutz und Schund raus. Hohe Dichtung statt Abenteuer! Dann bin ich viel mehr als Dr. Shatterhand! Dann habe ich mich künstlerisch habilitiert!

PETER ROSEGGER
Vielleicht gar nobilitiert? (betont) "Von May?!" (Blickt ihn zweifelnd an) Das wird aber nicht leicht sein, lieber Kollege.

KARL MAY
Warum? Ist Graz nicht mehr die heimliche Hauptstadt der deutschen Literatur?

PETER ROSEGGER
(schüttelt bedenklich den Kopf) Schon, aber das Grazer Kulturleben ist jetzt ziemlich in Wiener Hand. (Reißt sich zusammen) Aber bei Gott und Koren, ich steh Euch bei: Durch Fegefeuer und Hölle bis ins Grazer El Paradiso. Ich bin mit Euch. Ich werde Euer Vergil in Graz sein lieber Karl und Ihr ein zweiter Dante, mit einem Werk, das dem ersten nicht nachsteht!

Rih schnaubt und schüttelt unruhig seine prächtige, schwarze Mähne. Die beiden Poeten blicken Richtung Semriach und lauschen beunruhigt auf das dumpfe Grollen, das ferne Tosen und Donnern.

3.
Aus Richtung Semriach schießt eine mächtige, vom Semriachbach gespeiste Hochwasserwelle in schneller Schnittfolge heran: eine gewaltige, immer höher werdende Woge, die Bügelbretter, gackernde Hühner, Scheiße aus den Senkgruben, Hometrainer und das Gewölle vom Aussterben bedrohter Habichte mit sich führt. Anscheinend ist auch eine gediegene Privatbibliothek durchgespült worden, denn wie Smaragde leuchten in dem braunen Schwall die handlichen Bände der klassischen Fehsenfeld Gesamtausgabe von Karl May in ihrem schmucken Grün.

Rih jagt über das Feld davon, die beiden Schriftstellerkollegen rappeln sich auf und queren die Bundesstraße Richtung Mur. Hinter ihnen drehen PKWs panische Pirouetten, kippen LKWs, von braunen Gischtfahnen eingehüllt, in majestätischer Zeitlupe um, während die Rad- und Mopedfahrer endlich Oberhand haben und auf den schaumigen Wogenkämmen turmhoch dahinsurfen. Um die Spannung noch zu steigern, kommt hier die sogenannte gekreuzte Handlung zum Einsatz.

4.
Gekreuzte Handlung:
Rih in panischer Angst vor der Flutwelle jagt die Front des mächtigen Bauernhofes namens "Lindenhof" an der Abzweigung Friesach / Semriach entlang.

Im Vorhaus kommt der bärtige Lindenhofbauer gerade die Kellerstufen herauf. In seinen Armen ... die elektrische Wasserpumpe, die er grade noch vor dem Hochwasser gerettet hat. Das ganze Haus dröhnt von John Coltranes "Ole". Das Hochwasser strömt zu den ebenerdigen Fenstern herein. Die Bäuerin baut den letzten Sandsack in den Wall gegen die Flut ein.

5.
gekreuzte Handlung:
Peter Rosegger und Karl May rennen, die schäumende Flutwelle auf den Fersen, durch die Aulandschaft Richtung Mur. Karl May schwer behindert durch seine drei Gewehre.

KARL MAY
Grad in der Mitte unsrer Lebensreise
Befand ich mich in einem dunklen Walde,
Weil ich den rechten Weg verloren hatte.

PETER ROSEGGER
Göttliche Komödie, oder?

6.
gekreuzte Handlung:
Rih krabbelt durch ein Fenster in das Vorhaus, schüttelt die nasse Mähne aus und trampelt die Holztreppe hinauf in den 1. Stock. Das Ehepaar im Kampf gegen das Hochwasser, bemerkt den scheuen Rappen nicht.

7.
Peter Rosegger und Karl May rennen nebeneinander her. Die schwarzschlammigen Fußstapfen der Fliehenden füllen sich gleich wieder schmatzend und glucksend mit trübem Wasser.

8.
gekreuzte Handlung:
Der Rappe im Wohnzimmer erster Stock schnaubt unruhig bei jedem Blitz, rollt die Augen bei jedem Donner. So oft der Sturm die Zweige der lieben Linde vor dem Haus gegen die Fensterscheiben peitscht, bleckt er das Gebiss. Weil das Wohnzimmer klein und der Hengst groß ist, visuelle Auflösung in Nahaufnahmen: der Pferdeschädel, die Zweige, etc. fahren in die Kadrage hinein und wieder hinaus.

9.
Gekreuzte Handlung:
Der erschöpfte Karl May stolpert zwischen Birken und Erlen, kracht durch Haselnussstauden und Gestrüpp, zieht sich Kratzer im Gesicht zu. Vor ihm Peter Rosegger. Sie brechen durch das Dickicht und gelangen endlich an das Murufer.

10.
Rih wirft sich voll Panik auf den Wohnzimmerteppich und sucht unter dem Schrank vor dem Unwetter Schutz. Das Pferd hat eine Risthöhe von 1,70 Meter, der altdeutsche Schrank steht auf knapp 10 Zentimeter hohen Kugelfüßen. Das kann nicht gut gehen. Jetzt sehr laut Coltranes "Ole".
Unten der Bauer, bis an die Oberschenkel im Wasser, hebt den Kopf und lauscht auf den Krach über ihm.


11.
Ende gekreuzte Handlung:
Im Wasser treiben faulige Hölzer, eine ersoffene Ratte, trübe Flaschen. Die Poeten langen eilig nach der rettenden Leine, beginnen sie einzuholen und ziehen das Floß an das Ufer.
Das Hochwasser im Nacken springen sie im letzten Moment auf das Fahrzeug, May wegen der Waffen natürlich wieder etwas ungeschickter. Grade als sie ablegen ein Krachen im Gebüsch, ein Poltern und Wiehern und Rih setzt mit einem gewaltigen Satz nach auf das Floß.

Gerettet!

Rih stubst Karl May zärtlich mit dem Maul an; der tätschelt ihm den Kopf. Das Wasser rinnt die Lederfransen seines Jagdhemdes nur so hinab. Peter Rosegger putzt seine Brillen mit einem grün-weiß karierten Taschentuch. Als Filmmusik Marilyn Monroe mit "River of no Return"

KARL MAY
(sehr zärtlich) Du Guter! Du Lieber, du! Du treuestes Ross! Wart ... (Er kramt in
seiner Umhängtasche) ... Ich hab da was... (zieht einen Sack Würfelzucker heraus und verfüttert es an Rih ) ... Da ... schmatz, schmatz ... für dich.

Peter Rosegger sitzt auf einer Bierkiste, wackelt mit seinen nackten Zehen und wringt die handgestrickten Schafwollsocken aus. Karl May rechtfertigt sich vor dem kritischen Blick des Herausgebers des "Heimgarten"

ff...
Zucker meiden ganz verkehrt
Der Zucker stärkt
Der Zucker nährt

Von oben die farbenprächtigen, herbstbunten Laubwälder des Murtales, durch die sich idyllisch der braune Murfluss mit dem Fluchtfloß auf seinem Rücken schlängelt.

Rih rollt aber schon wieder die Augen.
Die Hochwasserwelle kommt näher, droht das Floß einzuholen. Der Rappe legt sich wieder voll Panik flach auf die Baumstämme, Old Shatterhand holt zu einem beschwörenden Jagdhieb gegen die hoch aufragende Wasserwand aus - vergeblich. Das Wasser jagt das Floß zwischen Kalvarienberg und Plabutsch hindurch, treibt es mit unerbittlicher Gewalt die betonierte und begradigte Murrinne hinab.
Die Strömung schleudert das schwankende Gefährt einmal gegen das rechte, dann wieder gegen das linke Murufer. Die Seile um die Baumstämme geben nach, die Eisenkrampen, die das Floß zusammen halten, lockern sich; es wird ungemütlich. Rappe und Männer wanken auf dem unsicheren Boden, können sich nur mit Mühe aufrecht halten. Die Spaziergänger rechts und links des Flusses halten die Todesgefahr der Gefährten aber für ein Spektakel von "La Strada" und applaudieren begeistert.
In der Ferne, hinter Peter Rosegger, der mit dem Rücken zur Fahrtrichtung steht, ragt die Baustelle des Kunsthauses, "friendly alien" genannt, auf. Kräne, Maschinen, Wolken aus Zementstaub, alles damit das Haus rechtzeitig für die Kulturhauptstadt Europas 2003, am 31.12. 2003 fertig ist.

Doch vor dem "friendly alien" droht auf der linken Seite noch eine andere Gefahr ... schimmernde Ovale im braunen Schaum der Mur, innovativste Architektur in Form einer geöffneten Muschel, deren Schalen die Grazeraltstadt mit dem Mariahilferplatz verbinden, stellen eine atemberaubende, ja tödliche Gefahr für die Reisenden dar. Das Floß treibt unaufhaltsam in die Katastrophe.


PETER ROSEGGER
Schnell ... da! Karl! Wir sind verloren ... die Acconci-Insel, Danaergeschenk der Wiener.

Karl May nimmt das Lasso von seinem Oberkörper und schüttelt, schwankend auf den rollenden, rutschigen Stämmen, die Schlinge aus.

KARL MAY
Beruhigt Euch Peter. Als Old Shatterhand habe ich schon gefährlichere Abenteuer bestanden.


12.
Auf der Acconci-Insel
Eine Riege gut gewachsener Herren in makelloser Unterwäsche und bis an die Zähne als Cobra-Männer adjustiert, bewegt sich rhythmisch zu den Klängen des hip-hop-mäßig aufgemotzten Weltsongs "Ich bin der Anton aus Tirol". Das Publikum, eine Vigilantentruppe, eingeladen als Belohung dafür, dass sie vor den Schulen die schwarzen Drogenhändler aus den fieberverseuchten Dschungeln Afrikas oberserviert, verfolgt das Esther Williams-Remake mit Kennerschaft. Viele warten auch lammfromm in einer langen Reihe, um sich ein ziemlich großes Druckwerk von den bewaffneten Tänzern signieren zu lassen.

PETER ROSEGGER
Runter! Wir müssen da runter!
Das braune Wasser rauscht an der glatten Böschung dahin, die keinen Griff, keinen herab hängenden Zweig zum Hochziehen bietet. Die Woge reißt das Floß unerbittlich mit sich.

KARL MAY
Ruhig Blut, lieber Freund. Nur die Ruhe.

Er lässt das Lasso um seinen Kopf sausen und späht nach einem Vorsprung oder Baumstumpf aus. Dann lässt er die Schlinge hoch und gegen das rechte Ufer steigen ... ein mächtiger Wurf! ... die Lassoschlinge steigt und steigt und steigt ... noch höher!
Die folgenden Ereignisse werden in atemberaubender Schnittfolge präsentiert.

Das Floß kracht gegen die Insel, die Baumstämme rollen im Wasser auseinander, ziehen tiefe Schrammen in die makellose Designerflanke der Acconci-Insel.

Die Lassoschlinge legt sich um den Sockel der Mariensäule auf dem Mariahilferplatz.

Gleichzeitig landet der Rappe nach einem mächtigen Sprung in einer Acconci-Muschel, rutscht aus, und schlittert auf den Hinterkeulen in die Cobratruppe.

Im Augenblick des Anpralls werden Karl May und Peter Rosegger vom zerberstenden Floß geschleudert. Aber selbst in diesem Moment kann Peter Rosegger seinen Herausgeberinstinkt nicht unterdrücken und reißt einem der panisch fliehenden Drogen-Vigilanten das Druckwerk aus der Hand.

PETER ROSEGGER
Sie gestatten doch?

Old Shatterhand umklammert das Lasso mit nervigen Fäusten, zieht sich, Peter Rosegger, an seinem Waffengurt hängend, mit muskulösen Armen durch das dahinschäumende Wasser.

Eine malerische Totale zeigt die Mur; den über die Acconci-Insel trampelnden Rappen, die Cobratruppe nebst Vigilanten, Karl May und Peter Rosegger, die sich am Seil auf das rechte Ufer zu bewegen und zuletzt den abwärts treibenden Steirerhut des Waldbauernbuben.

Dann nur mehr Roseggers Hut für sich flussabwärts treibend.

Hand über Hand, Zug um Zug zieht sich Karl May, Peter Rosegger am Gürtel, die Steilböschung hinauf.
Peter Rosegger, das Gesicht in den nassen Rücken von Karl May gequetscht, grunzt irgendwas. Der Westmann hält inne und versucht über die Schulter zu blicken.

KARL MAY
Was? Was sagt ihr lieber Freund?

PETER ROSEGGER
Nicht anhalten. Weiter, weiter!

Karl May schwingt sich über das Betongeländer in das Bild, das den Lendkai, Richtung Hauptbrücke und natürlich die Baustelle "friendly alien" zeigt. Er hilft Peter Rosegger über das Ufergeländer und rollt sein Lasso wieder auf.

PETER ROSEGGER
(blättert in dem durchweichten Kalender, der die Cobra-Aktivisten bewaffnet
und in Unterwäsche posierend zeigt.)
(sehnsüchtig) Das wäre was für meinen "Heimgarten"

13.
Ein blendend aussehender Altbürger(meister) legt neben dem Lift, der anlässlich 2003 die Mariensäule am Mariahilferplatz hinaufsaust, seine gediegene, englische Designerkluft ab und schlüpft in ein härenes Büßerhemd. Oben angekommen reckt er ein letztes Mal grüßend den straffen Arm und will sich aus der gläsernen Liftkabine stürzen. Aber ein herannahender Umzug lässt ihn innehalten.

KARL MAY
Eine Marienwallfahrt?

PETER ROSEGGER
Nein. Steiermärkische Gesinnungsmitglieder der parlamentarischen Regierungspartei, die ihre außerparlamentarischen Oppositionspflichten wahrnimmt.

Stilvolle Gesänge aus dem Westerwald signalisieren den Bruch mit dem bisher bei anderen Parteien üblichen Filz. Die Anhänger der Partei der ordentlichen Menschen in Österreich beschwören den alten Büßer oben, die einfachen, schwer arbeitenden Leute im Land und den Kampf gegen Korruption und Bereicherung nicht zu verraten. Deswegen lieber Parteifreund und Ehrenvorsitzender spring, bitte spring endlich!
Der Ehrenvorsitzende im härenen Büßerhemd führt in luftiger Höhe einen Freudentanz neben der gotischen Marienstatue auf: Sie meinen es eh nicht ernst!

KARL MAY
Und mich haben sie in Chemnitz wegen einer Uhr, einer Pfeife und einer Zigarrenspitze ins Gefängnis gesteckt.

PETER ROSEGGER
Tempera mutantur, lieber Freund, tempera mutantur!

14.
Andere Murseite: Der rassige Rih, Winnetous Geschenk an Old Shatterhand, trabt durch die Sackstraße Richtung Zentrum; sein nasser Schweif rutscht Peter Rosegger aus den Händen. Karl May wartet auf den Freund, der mit seinen genagelten Goiserern ausgerutscht und auf das Kopfsteinpflaster geknallt ist.

Beim Aufsammeln von Rihs Rossäpfel werden sie von zwei Herren abgelenkt, die an ihnen vorbei in die Musikabteilung von Kastner und Öhler, dem sogenannten "Alpenlandkaufhaus" eilen. Der eine trägt Brillen und hebt und senkt die massiven Bergsteigerhände in einer Parallelbewegung unaufhörlicher Begeisterung; sein mächtiges Kinn signalisiert unerschöpfliche Energie und sein schmaler Mund schmunzelt immerfort. Der andere, mit fliehendem Kinn, und sorgfältig gepflegtem 3-Tagebart eilt mit wehenden Armani-Rockschößen neben ihm her..

KULTURKINNLOS
Als Kritiker will ich gar nicht wissen wie ein Text ist. Und schon gar nicht lesen. Mich interessiert nur, ob ich das Buch kaufen soll, und das schreib ich auch. Alles andere - überflüssig.

KULTURKINN
Eh klar, sowieso ... komm mit. Du musst dir das unbedingt anhören. Das ist mein absoluter Lieblingskomponist. Für mich der bedeutendste, lebende Jungkomponist
überhaupt. Der beste Komponist der Jetzt- wenn nicht aller Zeiten!

Peter Rosegger rennt Karl May vielsagend einen Ellenbogen zwischen die Rippen.
Die beiden lassen die Pferdeäpfel liegen und folgen den beiden.
Schulterkamera, wackliges Bild in der Schallplattenabteilung. Mit einem glücklichen Kichern, die Hände voll CDs, eilen KULTURKINN und KULTURKINNLOS durch die Klassikabteilung.

KULTURKINN
Und da. Scelsi! Weltbester Komponist! Mein absoluter Lieblingskomponist! Und da Olga! Die noch! Ich bin ungeheuer stolz darauf, diese begabteste Nachwuchskomponistin immer wieder, jetzt schon zum 5. Mal en suite zu präsentieren; ja praktisch pausenlos! aufzuführen. Meine absolute Weltlieblings
Spitzentonkünsterlin der Gegenwart.!

Reißschwenk auf ...

KULTURKINNLOS
Logo! (glücklich) Wenn das kein Kitsch ist!

Sie wollen weg, rennen aber gegen den ausgestreckten, stählernen Arm Old Shatterhands.


KARL MAY
Gestatten sie, dass ich mich ...


KULTURKINN
Ich bitte sie... Ah!, mein Lieblingsschriftsteller; immer schon gewesen. Mit meiner unvergleichbaren Spitzenlieblingsabenteuerlektüre.

KULTURKINNLOS
Natürlich! Winnetou! Durch die Wüste! In den Schluchten des Balkan!
Karl May 2003 in Graz! Ein Abenteuer-Event! Wir sind Medienpartner, wenn es nichts kostet! Ganz unabhängig natürlich von unserer unabhängigen Berichterstattung. (vertraulich) Ganz unter uns lieber May: Wir sind die Einzigen, die auf regionaler Ebene ...

PETER ROSEGGER
... provinzieller ...

KULTURKINNLOS
... auf regionaler Ebene überhaupt noch Kulturberichterstattung machen. Haben sozusagen das Monopol drauf.

KARL MAY
(reißt entschlossen mit der zweiten Hand Manuskripte aus seiner wildledernen Jagdtasche und reicht sie KULTURKINN) Ich schreibe jetzt ganz anders ... eher Avantgarde ...

PETER ROSEGGER
Pankatholisch bzw. philosophisch in der Manier von Strasser ...

KULTURKINN
(ist bis jetzt vergeblich gegen die Stahlarmbarriere von Old Shatterhand angerannt. Erst als er das Manuskript nimmt, wird der Weg frei)
Großartig! Wirklich super! Sie waren schon immer mit Abstand mein liebster Lieblingsschriftsteller. Schon in jüngsten Jahren. (Wedelt mit dem Manuskript) Ich schau’s mir an. Ah ... Interessant, "Babel und Bibel", starker Titel.

Vorüberklingelnde Straßenbahn, Wischblende

15.
Eingang zum Landhaushof. Die glänzende Kruppe des Rappen verschwindet grade um die Ecke, sein Schweif peitscht noch einmal gegen den verpissten Rinnstein.

PETER ROSEGGER
(off) Da! Seht Karl! Euer Gaul!

KARL MAY
(off) Nicht Gaul! Mein Rih! Ein Geschenk Winnetous!

Karl May und Peter Rosegger kommen in das Bild, rennen dem Rappen hinterher.

Der Landhaushof als steiermärkische Talibanschule: Auf der Freitreppe zur Landhausstube LR Hirschmann, zuständig für Sport, Kultur und Intellektuelles. Der Hof ist voll mit knienden Kulturhofräten, Avantgardebeamten, definitiv gestellten Christen, pragmatisierten Freigeistern, Kulturamtsräten, Kulturbeamten, beamteten Künstlern, künstlerischen Beamten, Kuratoren, Intendanten, Kulturjournalisten, die im Rhythmus des Kulturkorans ihre Arme gegen den Himmel heben, um sich dann wieder mit dem Gesicht auf den Boden zu werfen.

ALLE
(im Chor) Bitte du Herr Landesrat, lieber Freund! Gib nicht alles Geld für die Kultur aus. Lass für den Sport auch was übrig!

Die Menge strahlt einen mit Panik durchmischten Fanatismus aus: Jeder einzelne von ihr ist aus der Provinz (von wo sonst?) aufgebrochen, um etwas zu werden. Hinter ihm liegt die lebenslange Anreise aus Feldbach, Stiwoll, Graz, Murau usw. und noch immer, jetzt, knapp vor der Pensionierung, haben es die meisten immer noch nicht zum Bundespräsidenten gebracht. Das schmerzt aber!

Bisweilen wird der Schmerz für einen der Betenden so unerträglich, dass er aufsteht, um sich unter den Arkaden zu erholen. Dort halten die Amtsdiener richtige Künstler, die irgendwelche Tafelbilder oder Texte herstellen, bereit, damit ihnen die gequälten Talibanisten die Knie in die Weichteile rennen, ihnen Ohrfeigen versetzen oder sie wenigstens an den Schläfenhärchen ziehen können.

LR Hirschmann dreht versonnen lächelnd an seinem Ö-Ring.

KARL MAY
(zeigt auf die grüne Tür mit dem steirischen Panther) Überall diese Panther. Gibt es hier noch welche? Hat es hier einmal so viele gegeben?

PETER ROSEGGER
(verlegen) Überhaupt nicht!

16.
Peter Rosegger und Karl May haben sich Zählkarten besorgt und betreten das Schauspielhaus Graz, um sich den Preisverleihungsevent des Landes geben.
Im Erdgeschoß Polizeiaufnahmen von schriftstellernden Selbstmördern, die am Strick hängen, mit dem Kopf im Gasofen stecken oder in einer verdreckten Badewanne mit aufgeschlitzten Unterarmen liegen: So wie sie halt in die glückselige Ewigkeit eingegangen sind. Der Aufgang wird mit einer Toninstallation von Gunter Falk beschallt, der Todes-Haikus hölzelt. Gerahmte Delogierungsbescheide, RSA-Briefe, Mahnungen, Protokolle von Zwangsvollstreckungen, die Ergebnisse diverser Künstlerkarrieren, schmücken die Wände.

KARL MAY
Da! Da bin ich auch! Mein Urteil aus Leipzig (schüttelt den Kopf) ... Ich hab schon viele Qualen überstanden, sogar am Marterpfahl der Komantschen, aber das ...

Das Publikum ist ausnahmslos intelligent, gepflegt, gut gekleidet, gesund ernährt, humorvoll, und, von gelegentlichen Anfällen krankhafter Eitelkeit einmal abgesehen, durchaus umgänglich. Am Rednerpult steht ein künstlerischer Hofrat.

KUNSTHOFRAT
... Und dieser Tag, an dem alle steirischen Kunstpreise auf einmal vergeben werden dient nicht nur der Kunst, sondern auch der Transparenz. So weiß das Publikum gleich, wer würdigungswert ist und braucht sich nicht mit einzelnen Künstlern oder ihren Arbeiten beschäftigen, sondern nur mit mir, dem KUNSTHOFRAT. Und die Künstler haben die Genugtuung, dass von ihrer Individualität endlich abgesehen wird (für das Schauen gibt es mich: – amüsiertes, freundschaftliches Gelächter), und sie zum verzichtbaren Rohstoff für meine unverzichtbare Repräsentationen werden.
(Applaus, Applaus ...)

Der Geist von Rolf Dieter Brinkmann taucht zwischen Peter Rosegger und Karl May auf, genau so, wie er in London ausgesehen hat, nachdem ein Doppeldecker über ihn gefahren ist ... also kein schöner Anblick.

BRINKMANN
Stützt mich Kollegen ... ich fühl mich so komisch ...

Karl May und Peter Rosegger geleiten Brinkmann zum Rednerpult. Dort legt er los.

BRINKMANN
Der Augenblick in Graz, abends, allein, im Park: Kastanienblättergeruch, und darin ein Pavillon mit schreienden Menschen wegen Kultur, Verlage, Kaugummifressen und dicke rote Hälse, gestautes Blut im Kopf, Fernsehlampen, Zigarettenrauch, ich
denke sofort? "da biste falsch, Rolf!"

Blockflötentruppe intoniert Erzherzog Johann Jodler
Abblende Schwarz

17.
Die beiden Erzpoeten im Stadtpark, Schwäne im Burggraben, possierliche Eichhörnchen im Flug von Baum zu Baum, zwitschernde Spatzen und Amseln, fleißige Ameisen, scheißende Pinscher und Katzen an der Sämischlederleine oder im geflochtenen Körbchen.
Vor der Anastasius Grün zugedachten Waldlilie legt Karl May zum Spaß mit seinem Bärentöter auf das Reh an. Von überall her Empörungslaute.

ALLE
Zisch! Zisch! Zisch!

Hinter den Büschen, Bäumen und Hecken stecken erregte Damen, sportgestählte Mittfünfziger, Grufties unter weißer Schminke und Yuppies in Hugo Boss-Anzügen ihre Köpfe hervor, um ihr Missfallen zu äußern.


ALLE
Zisch! Zisch! Zisch!

KARL MAY
(betreten) War ja nur Spaß!

Eine gepflegte ENDDREISZIGERIN mit Méche nähert sich mit der Bitte eine Petiton zu unterschreiben.

ENDDREISZIGERIN
" Wir die Unterzeichneten fordern den Präsidenten des Landesschulrates auf, Abbildungen des Steirischen Panther auf denen diesem das Höllenfeuer zuchtlos aus diversen Körperöffnungen schießt, in allen Schulbüchern zu verbieten..."

KARL MAY
(unterschreibt) Wenn´s weiter nichts ist. (blickt sich um) Immer diese Panther! Wann hat´s die hier eigentlich gegeben?

PETER ROSEGGER
Kommt eigentlich aus Steyr ... 1122 ... aber in Wahrheit ... (er zögert)

ENDDREISZIGERIN
Ich mach mit!

PETER ROSEGGER
Na schön, Zeigen wir´s ihm!

18.
Zimmer in gediegener Düsternis. Peter Rosegger mit heruntergelassenen Beinkleidern und purpurnem Phallus ganz knapp auf der Vorderkante eines altdeutschen Kastens. 2 Meter tiefer und ca 4 ½ Meter Luftlinie entfernt liegt nackt auf einem massiven, ebenfalls altdeutschem Bett ihre Zufallsbekanntschaft, die Endreißigerin, und kichert erwartungsvoll. Neben dem Kopfteil auf einem lederbespannten Stuhl sitzt Karl May mit nacktem Oberkörper, zieht sich erbarmungslos seine schweren Kette aus Bärenklauen über den Rücken..

KARL MAY
Ich halt das schon nicht mehr aus. Entweder behandeln mich die Sekundärschreiber ideologiekritisch ... Oder sie sind ganz vernarrt in mein System, das keins ist, und das ich, wäre es eines, immer noch besser kennen würde, als die alle Sekundärschreiber zusammen - Das schaut aber unbequem aus.

PETER ROSEGGER
Ist ja der Sinn der Sache. Der sogenannte Panthersprung. Nur die Besten brechen sich nicht das Rückgrat, nur die Zielsichersten treffen ins Schwarze. Ihr wisst schon Karl - natürliche Auslese.
(ENDDREISZIGERIN kichert )

KARL MAY
(ritterlich) Und die Damen?

PETER ROSEGGER
Von denen eben auch nur die Robustesten, versteht Ihr ... Aber nach einem steirischen Sprichwort gibt es nichts, was ein stehender Pfosten und eine liegende Frau nicht aushalten.

ENDDREISZIGERIN
Macho!

PETER ROSEGGER
... auf diese Weise jedenfalls ... nur große, starke Steirerleut, versteht Ihr, Karl?

Er seufzt und schickt sich zum Sprung an. (Karl May räuspert sich dezent )

PETER ROSEGGER
(blickt an sich herab, der ganze Purpur ist weg) Ah ja ... kann man nichts machen ... Vielleicht ein andermal.

Er klettert erleichtert vom Kasten, Karl May nimmt seinen Platz ein und stößt seinen Kriegsruf aus.

KARL MAY
Winnetou! Ich komme!

Abblende, Schwarz

19.
KULTURKINN hebt hinter seinem Schreibtisch beide Bergsteigerhände in der beschwörend-optimistischen Geste; die benachbarten Kirchenglocken läuten gnadenlos 5 vor 12 ein.

KULTURKINN
Ich kann ihnen gar nicht sagen, wie unangenehm es mir ist, lieber Karl May. Aber ich habe ihre Unterlagen zusammen mit meiner Steuererklärung verloren. Effektiv! Mit meiner Steuererklärung!

KARL MAY
(langt in seine Jagdtasche) Nicht so schlimm. Ich habe eine Abschrift.

KULTURKINN
(wieder unglaublich begeistert, seine Brillen funkeln dynamisch) Ich muss ihnen ehrlich sagen ...

KM
Ja ...?

KULTURKINN
Also. Ich glaube, "Babel und Bibel" ist doch eher nichts für uns. Ja, wenn es so wäre wie sie früher ... (sein Gesicht hellt sich auf) Aber ein Filmfestival, ein Filmfestival mit Karl May-Filmen, ganz modern mit Videobeamer! Bei freiem Eintritt! Eventmäßig!


20.
Rih zockelt durch die Annenstraße hinaus zum Europaplatz. Hinter Karl May sitzt Peter Rosegger.

PETER ROSEGGER
Ich hab euch gesagt, lieber Karl, es wird nicht einfach sein.

KARL MAY
Pshaw! Im Wilden Westen herrschen weniger Vorurteile!

21.
Aushang des Bahnhof Nonstop. Peter Rosegger linst kurzsichtig durch die spiegelnde Scheibe: Blondine, der die Brüste aus der Bluse hängen, Mund halb geöffnet, mit dem rechten Mittelfinger berührt sie einladend die Unterlippe in ihrem Slip.

KARL MAY
Eine blonde Squaw! Ein künstliches Naturkind. Aber nichts für den "Heimgarten".

PETER ROSEGGER
Ich schau ja auch nur, wie sich der Europaplatz in der Scheibe spiegelt. Das sind Bauten! Sowjetisch-stalinistischer Zuckerbäckerprunk wie er teigiger nicht möglich ist. Wo war da die Grazer Architektur?

Sie werden von einem dicken, dunklen, ungeheuer dynamischer Mann mit heftigem amerikanischem Akzent angesprochen. Der Mann kratzt sich erregt den weißen Stoppelbart.

Coppola
Mr. May I presume? Und Mr. Rosegger? You are Gäste für eine Testscreening.

KARL MAY
All Devils! Der berühmte Schöpfer des Paten und der Apokalypse! Was macht ihr hier am Europaplatz?

Coppola
Sie haben mich engagiert für ihre internationale 2003 filmfestival.
(Nimmt 1 Filmschachteln auf und ächzt)

22.
Im Kino der Widerschein auf den Gesichtern von Karl May und Peter Rosegger. Um sie herum demontieren Liebesbedürftige die Erregung ihrer Geschlechtsteile ohne überhaupt zu merken, dass ein anderer Film läuft:

Syberbergs Karl May-Film; Old Shatterhand Villa, Karl May vollständig adjustiert, aber sein langes Haar ist weniger strähnig, seine Augen strahlen blauer ... alles wie aus dem Ei gepellt.

PETER ROSEGGER
Unglaublich! Ihr lieber May ... und so blühend!

KARL MAY
Da! Lebius, der mich wegen Pornografie erpressen wollte. Und Ihr lieber Peter Rosegger! Thunder-Storm! Hier Bertha von Suttner! Und George Grosz! Das deutsche Wesen und sein Idealismus! Romantik und Kunst! Alles da! Der Film wird mein Comeback!


COPPOLA
(aus dem viereckigen Projektionsfenster der Vorführkabine heraus, seine Stimme treibt mit dem farbigen Lichtstrahl) In Hollywood habe ich den Ruf als mehr intellektuell. Habe ich mich um die europäische Avantgarde gekümmert: Wenders, Godard, Herzog oder hier Syberbergs "Karl May" - Namen, die keiner mehr nennt. Jetzt haben wir 2003 in Graz eine Performance

Der Film reißt leider.
Abblende Schwarz


23.
Karl May, Peter Rosegger und Francis Ford Coppola in einer Reihe auf Rih sitzend, trotten die Annenstraße hinunter, zum Mühlgang und Richtung Mur.

PETER ROSEGGER
Ich hab Euch gesagt, es wird nicht einfach

COPPOLA
Man will hier doch lieber das mehr Populäre. Das Kitsch as Kitsch can.

KARL MAY
Aber warum? Heavens! Was haben sie gesagt?

COPPOLA
Keine mediencooperation, weil kein popular. Und ohne cooperation keine filmfestival Reiner kann Trash nix sein ...


24.
Mur-Strandidylle nahe dem Schlachthof. Karl May tätschelt dem Rappen wehmutsvoll den schwarzen Schädel, bläst ihm liebevoll in die Nüstern. Dann reicht er einem groben Typen die Zügel und nimmt dafür Ruder und Stangen für die lange, schwarze Zille.

KARL MAY
Winnetous Geschenk!

COPPOLA
Ist ein "must be", auch wenn sie ihn butchern! Wir haben keine money für den Flug.

PETER ROSEGGER
Er wird nicht geschlachtet. Den Schlachthof gibt´s nicht mehr. Das Pferd wird auf den Medienturm gestellt, als Attraktion.

Das Hochwasser hat sich gelegt, dafür spielt Dylans "Knock knock knocking on Heavens Door". Die drei Reisenden legen ab, treiben den mächtigen Murfluss hinunter in die Südsteiermark und weiter ... Links und rechts sanfte Hügel, dazwischen verlockende Einschnitte, eingefasst mit dunklem, üppigem Gebüsch, prangende Weinberge, sanfte Bergflanken, umspült von schmeichlerischem, fruchtbarem Nass.

PETER ROSEGGER
Auf geht`s in Paradiso! Endlich! Wurde auch Zeit nach all dem Fegefeuer und der Hölle.

Coppola öffnet seine letzte Flasche Chardonnay aus dem Nappa Valley.

COPPOLA
Cheers die women!

Karl May, die goldene Abendsonne auf dem Antlitz, hebt seinen silbernen Trinkbecher.

KARL MAY
Sei mir gegrüßt Du liebes Steirerland!
Wär ich dein Sohn, wie wollte ich dich ehren.
Läg mir zur Wahl die Erde in der Hand
Ich würde doch nur dich, nur dich begehren
Wenn fromm und still im hellen Sternenschein
Rings deine Burgen im Gebete liegen
So möchte ich deines Volkes Seele sein
Und wie ein Engel auch zum Himmel fliege

Abblende

25.
Fraktur, weiß auf grün:
Gefördert mit den Mitteln des Steiermärkischen Filmförderungsfond



Willi Hengstler
geboren 1944, Filme, Texte, Shows, Ausstellungen; längere
Studienaufenthalte in Graz.




Ein Projekt von Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas und der edition schreibkraft










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