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Genre: Architektur/Kunst im öffentlichen Raum


Kunsthaus Graz
A friendly alien

Graz hat am Murufer, an der Ecke Südtiroler Platz/Lendkai ein neues architektonisches Wahrzeichen erhalten: das Kunsthaus Graz.

Die Planer, die beiden Londoner Architekten Peter Cook und Colin Fournier/Spacelab, schufen gemeinsam mit der Grazer Firma Architektur Consult eine eindrucksvolle Synthese ihrer innovativen Formensprache mit dem historischen Ambiente der Murvorstadt. Das spannende Spiel zwischen dem neuen biomorphen Gebilde am Murufer und dem alten Uhrturm auf dem Grazer Schloßberg wurde schon jetzt zum Markenzeichen einer Stadt, die sich ein produktives Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Avantgarde zum Ziel setzt. Urbanistisch ebenso wie inhaltlich fungiert das Kunsthaus als Brückenkopf an einer Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Wie eine Luftblase schwebt die bläulich schimmernde Hülle über dem gläsernen Erdgeschoss. Mit einer Spannweite von bis zu 60 Metern umspielt die biomorphe Konstruktion stützenfrei zwei großflächige Ausstellungsebenen. Aus der Oberfläche der "Skin", einer Haut aus Acrylglas, wachsen die "Nozzles", die markanten Tageslichtöffnungen, die nach Norden geneigt für eine optimale Beleuchtungssituation sorgen. In den Obergeschossen verbinden Brücken den ca. 23 Meter hohen Neubau mit dem so genannten "Eisernen Haus", dessen denkmalgeschützte Gusseisenkonstruktion - die älteste Mitteleuropas - im Zuge der Errichtung des Kunsthauses behutsam und mit viel Geschick renoviert wurde.
Im gläsernen Erdgeschoss befindet sich neben Bar, Veranstaltungsraum und diversen Kommunikationseinrichtungen das Foyer, von dem die "Pin", ein ansteigendes Fahrband, in die oberen Ausstellungsebenen führt.
Einzelne transparente Fenster-Flächen der "Skin" gewähren Ausblick und Orientierung, während die "Needle", eine auskragende, rundum verglaste Struktur aus ca. 16 Metern Höhe eine spektakuläre Aussicht auf die Altstadt von Graz bietet.
Zugrunde liegt der einzigartigen, biomorphen Form des Gebäudes zum einen die manifeste Faszination seiner Schöpfer für "animal presence of architecture" (tierhafte Präsenz der Architektur), zum anderen eine Idee, die auf die wechselvolle Geschichte des Wettbewerbs zur Kunsthausplanung zurückzuführen ist: Ursprünglich hätte ein Kunsthaus im Inneren des Grazer Schloßbergs entstehen sollen, wo nach Vorstellung von Peter Cook eine "organische Membran" die groben und komplexen Wand-Strukturen im Berginneren ausgleichen hätte können, um schließlich einer Drachenzunge gleich aus dem Berg heraus in die Stadt vorzudringen. Mit der Änderung des Bauplatzes wurde aus der Idee der Drachenzunge jene Form des "friendly alien" geschaffen, die nun am rechten Ufer der Mur zwischen den Ziegeldächern der umliegenden Altbauten lagert. Die endgültige Situierung des Kunsthauses im westlichen Teil der Stadt folgt auch einer städteplanerischen Motivation: Als effizienter Katalysator für eine positive Veränderung der bislang benachteiligten Hälfte der Stadt kann das Kunsthaus hier urbanistisch Wirkung entfalten.

Raumkonzept
Das Kunsthaus entspricht funktionell und technisch den modernsten museologischen Anforderungen des internationalen Leihverkehrs. Es bietet seinen Betreibern auf insgesamt 11.100m2 Nutzfläche alle Voraussetzungen, um sich auf höchstem Niveau am globalisierten Ausstellungsbetrieb zu beteiligen. Eine innovative, Kosten sparende Klimatechnik erfüllt alle Vorgaben bedeutender Leihgeber.
Für eine professionelle Abwicklung von Ausstellungsprojekten stehen eine großzügige Anlieferung, Depots und Werkstätten sowie moderne licht- und sicherheitstechnische Einrichtungen zur Verfügung. Eine Tiefgarage bietet Platz für 146 Stellplätze.
Als multidisziplinärer Ausstellungs-, Aktions- und Vermittlungsort für zeitgenössische Kunst, Neue Medien und Fotografie verfügt das Kunsthaus Graz über ein differenziertes Raum- und Funktionsprogramm. Während der Innenraum des Baues als "black box der versteckten Möglichkeiten" (Colin Fournier) den jeweiligen Kuratoren/die jeweilige Kuratorin inspirieren soll, ist seine Außenhaut als Medienfassade bespielbar.

Medienfassade
Diese 900m2 große BIX Medienfassade - eine Installation aus Lichtringen - ist ein besonderes, ästhetisches wie funktionales Charakteristikum des Kunsthauses. Die hier verwirklichte weitgehende Integration von Architektur, Technologie und Botschaft definiert einen neuen internationalen Maßstab.
Nach einem Konzept der Berliner Gruppe realities:united wurden in den einzelnen Fassadensegmenten insgesamt 925 konventionelle ringförmige 40W-Leuchtstoffröhren integriert, mittels derer die blaue Blase zu einem low-resolution-Bildschirm von urbaner Größe wird, der sich für eine Bespielung durch grob gerasterte Bildsequenzen, Filme und Textabläufe eignet. Jeder Lichtring fungiert dabei als Pixel, der von einem zentralen Rechner aus angesteuert werden kann.
So bietet das Kunsthaus mit seiner Skin ein außergewöhnliches Medium für die Kunst und deren Vermittlung, aber auch für andere, weit darüber hinausgehende Informationstransfers. "Mit BIX", so realities:united, "projiziert das Kunsthaus seinen kommunikativen Anspruch in den öffentlichen Raum."

Bespielungskonzept
Das Kunsthaus Graz ist als Kunsthalle für die Ausrichtung internationaler Ausstellungen multidisziplinärer, moderner und zeitgenössischer Kunst entwickelt worden. Es sammelt nicht, richtet keine Dauerausstellungen ein, verfügt über keine Dauerdepots und keine Forschungseinrichtungen. Es dient - auf vielfältige Art - ausschließlich der Präsentation und Vermittlung zeitgenössischer künstlerischer Produktion. Die Ausstellungstätigkeit der Kunsthalle erfolgt in Abstimmung und in Zusammenarbeit mit der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum, dem traditionsreichen steirischen Museum moderner und zeitgenössischer Kunst.

Kooperationen - Camera Austria, Medienlabor u. a.
Die Zeitschrift Camera Austria International widmet sich der künstlerischen und theoretischen Auseinandersetzung mit Fotografie im Kontext zeitgenössischer Kunst, Neuer Medien und gesellschaftlicher Entwicklungen. Die Institution Camera Austria, die als autonomes Ausstellungshaus im "Eisernen Haus" untergebracht ist, wurde architektonisch an das Kunsthaus angebunden und unterstützt mit ihrer international anerkannten Fachkompetenz das Kunsthausprogramm.
Das Medienlabor wird alle zwei Jahre für ein neues Projekt zur Verfügung stehen: Das erste, jurierte Projekt unter der Leitung von Franz XAFER bietet in einem offenen Labor lokalen bis internationalen NetzaktivistInnen eine Schnittstelle zwischen realem und virtuellem Raum.
Für die Zukunft sind weitere Kooperationen geplant um schließlich einen aktuellen Kunstcluster mit großem Synergieeffekt entstehen zu lassen: Neben einer zentralen Stelle für die Organisation des gesamten Landesmuseum Joanneum sollen wichtige Träger zeitgenössischer Kultur wie der Grazer Kunstverein, das Haus der Architektur oder ARTIMAGE in einen ausgedehnten Komplex des Kunsthauses geholt werden.


ERÖFFNUNG 2003

Peter Pakesch, Künstlerischer Leiter des Landesmuseum Joanneum über:
Einbildung - Eintönen: Das Wahrnehmen in der Kunst

Die Eröffnung des Grazer Kunsthauses stand im Zeichen der Wahrnehmung. Bei der Einweihung des Gebäudes gab es am 27. September mit "Eintönen" einen Vorgeschmack auf die Ausstellungstätigkeit. Klanginstallationen bereiteten dabei im Vorfeld der Eröffnungsausstellung den Bildern ihren Weg.
Feierlich eröffnet wurde mit der Ausstellung "Einbildung" am 25. Oktober. Thema war die Wahrnehmung, unser Wissen um sie und die Bedingungen, denen sie unterliegt. Am Anfang steht die Perzeption. Das heißt, die Produktion der Kunst bewusst vom anderen Ende her aufzurollen; die Kunst als kreative Wissenschaft von den Vorgängen in unserem Gehirn, und davon, wie von diesen Bilder und Vorstellungen erzeugt werden.
Neuere Erkenntnisse der Kognitionspsychologie und der Neurophysiologie weisen darauf hin, dass kognitive Prozesse und neuronale Vernetzungen unsere visuelle Wahrnehmung in einer sehr spezifischen Weise determinieren und steuern. Wenn wir dem britischen Hirnphysiologen Semir Zeki glauben dürfen, ist die Malerei eine Art angewandte Wissenschaft vom Funktionieren des Gehirns; danach haben ihre verschiedenen Richtungen und Tendenzen innerhalb der Moderne jeweils ihre Entsprechungen im Bereich des Physiologischen und Psychologischen, und Bilder werden nicht als Ganzes verarbeitet, sondern in verschiedene Aspekte zerlegt. Die Einbildung oder Täuschung hat KünstlerInnen wie auch WissenschaftlerInnen immer von neuem interessiert. Denn gerade das Erforschen dieser so genannten Fehler sorgt letztendlich auch für ein Verstehen der Wahrnehmungsvorgänge selbst.
Im Hauptteil der Ausstellung tauchten die BesucherInnen in ein Feld von Installationen, Fotografien, Gemälden und Skulpturen, die unsere Aufmerksamkeit thematisieren. Dabei spielten Visualität und Akustik mit anderen Sinneswahrnehmungen zusammen und spannten ein mehrstimmiges Netz von Reizen und Reflexionen auf.

KünstlerInnen u. a.: Alberto Biasi (I), Angela Bulloch (CDN), Jan Dibbets (NL), Olafur Eliasson (IS), Elsworth Kelly (USA), Liz Larner (USA), Sarah Morris (USA), Max Neuhaus (USA), Bridget Riley (GB), Henryk Stazewski (PL), Esther Stoker (A) u. v. a.

Eintönen - Klanginstallationen zur Eröffnung des Gebäudes
27. September 2003, 09.00 Uhr - 28. September, 18.00 Uhr

Einbildung - Das Wahrnehmen in der Kunst
25. Oktober 2003 - Januar 2004

Artikel zum OPEN KUNSTHAUS / Eintönen






externe links:
http://www.kunsthausgraz.at
http://www.arge-kunsthaus.at/




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