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Genre: Ausstellungen
Wissenschaft/Religion

Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift
Der Turmbau zu Babel

Eine Vorstellung von der Auseinandersetzung der Menschheit mit dem Ursprung und der Vielfalt von Sprache und Schrift gab die Großausstellung "Der Turmbau zu Babel" im Schloss Eggenberg. In der vom Kunsthistorischen Museum Wien konzipierten Schau wurde die Thematik durch zahlreiche Kunstwerke sowie archäologische und völkerkundliche Exponate veranschaulicht.

Die alten Babylonier wollten hoch hinaus, erzählt uns der berühmte alttestamentarische Abschnitt aus der Genesis (11, 1-9): ihr Stadtturm sollte bis in den Himmel reichen. Doch dann verhinderte Gott selbst durch die Verwirrung ihrer Sprache das Vorhaben. Die biblische Geschichte vom "Turmbau zu Babel" verweist auf ein Problem, das uns bis heute belastet: die Vielfalt der Sprachen, durch welche die menschliche Kommunikation so erschwert wird.
Ausstellungsorganisator Wilfried Seipel, Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums Wien, hatte ein aus über 70 ExpertInnen bestehendes Team mit
u. a. HistorikerInnen und ArchäologInnen, EthnologInnen, SprachwissenschafterInnen und BiologInnen versammelt, um die Schau vorzubereiten. In drei großen Abschnitten - "Der Turmbau zu Babel", "Sprachen" und "Schrift" - wurde die Thematik durch bedeutende Kunstwerke, archäologische und völkerkundliche Exponate aus internationalen Sammlungen sowie durch multimediale Installationen veranschaulicht.
Der erste Teil verwies zum einen auf die bisherige künstlerische Beschäftigung mit dem Motiv des "Turmbau zu Babel" anhand von bedeutenden Kunstwerken. Dazu zählten mittelalterliche Miniaturen ebenso wie prachtvolle Gemälde des 16. und 17. Jahrhunderts. Aber auch in der modernen Grafik bzw. Architektur findet das Motiv seinen Widerhall. Zusätzlich fand hier auch die Frage nach dem Ursprung der Sprachen, die zum Bestandteil aller großen Welterklärungsmythen zählt, große Beachtung. Dem berühmten Abschnitt der Genesis und seiner Rezeption in der abendländischen Religions- und Geistesgeschichte wurde besonderes Augenmerk geschenkt.
Über die in der Aufklärung einsetzende wissenschaftliche Auseinandersetzung über die Sprachentstehung und den Überlegungen Charles Darwins führte die Ausstellung schließlich zu Martin Heidegger und den modernen sprachphilosophischen Ansätzen. Abschließend wurde auch der aktuelle Stand der archäologischen Forschung zum babylonischen Turmbau dargestellt, der nach wie vor zu den großen Rätseln der Archäologie zählt.

Im zweiten Teil der Ausstellung spannte sich der Bogen von bisherigen Forschungsergebnissen zu den biologisch-physiologischen Voraussetzungen des Spracherwerbs und den neuronalen und psychologischen Grundlagen bis zur Veranschaulichung der bestehenden Sprachenvielfalt und Sprachphänomene.
Hier wurde den neuesten Erkenntnissen über den Zusammenhang von Archäologie und Sprachwissenschaft ebenso Aufmerksamkeit geschenkt, wie den Bestrebungen, zusammenfassende Sprachbäume auf der Suche nach der "Ursprache" zu erstellen. Dabei wurde auch der Frage nach dem Verhältnis von nationaler und sprachlicher Identität nachgegangen, der Sprachwandel thematisiert und wurden die Welthilfssprachen und bedrohten Sprachen dokumentiert. Mit hoch spezialisierten Geräten zur maschinellen Spracherkennung und Sprachwiedergabe endete der zweite Teil des Parcours, der unter Mitwirkung des Austrian Research Institute for Artificial Intelligence auch das Verhältnis von Sprache und künstlicher Intelligenz aufgezeigt hat.
Der dritte Ausstellungsteil zeigte vor allem archäologisches und völkerkundliches Anschauungsmaterial. Hier wurde erstmals versucht, im Rahmen einer Ausstellung der Geschichte der Schrift - von ersten neolithischen Ritzzeichnungen bis zu hoch technisierten elektronischen Leseautomaten, Schreib- und Speichermedien - in übergreifender Form gerecht zu werden. Keilschriftsysteme, wie sie in den großen Bibliotheken der sumerischen, babylonischen und assyrischen Könige verwendet wurden, wurden ebenso erfahrbar gemacht wie die ägyptische Hieroglyphenschrift und die aktuelle Diskussion über die Entstehung unseres Alphabets.
Die BesucherInnen konnten sich aber auch u. a. einen Überblick über die erst vor wenigen Jahren entzifferte Mayaschrift, das chinesische Schriftsystem und indische Schriften verschaffen oder sich in die noch immer unentzifferten Schriften der Osterinsel, der Industal-Kulturen oder der kretischen Linear-A-Schrift vertiefen.
Geheimschriften von der Antike bis zur Gegenwart, die Blindenschrift und die heute weit verbreitete Verwendung von Logogrammen sowie künstlerische Installationen zum Thema Sprache und Schrift rundeten die Ausstellung ab.

Idee, Konzept und Gesamtleitung: Prof. Dr. Wilfried Seipel, Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums
Organisation: Mag. Gabriele Stöger (KHM), Mag. Monika Schweighofer (KHM)
Ausstellungsgestaltung: Gerhard Veigel
Ausstellungsgraphik: Lothar Bienenstein
Audioguide: Mag. Christoph Paidasch, Mag. Natalie Lettner
Durchführung: Kunsthistorisches Museum Wien, Wilfried Seipel; Organisation: Gabriele Stöger und Monika Schweighofer

Eventsponsor: Krentschker Bank, Salis und Braunstein

Ein Projekt von Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum Wien und dem Landesmuseum Joanneum, Graz.

Datum:05.04.2003 - 05.10.2003
Ort:Schloss Eggenberg





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externe links:
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