GRAZ ZWEITAUSENDDREI Kulturhauptstadt Europas
HOME SITEMAP BLINDENGERECHTE VERSION ENGLISH

Projekte A-Z
A-D
E-H
I-N
O-T
U-Z
Genres
Kalender
Beiprogramm
Schulkooperationen
Programmnews-Archive

backforward
Programm


(für Vergrößerung anklicken)







Genre: Ausstellungen


Rock und Rüstung
Frauenleben im Zeughaus

Eine sinnliche Gegengeschichte zu den Geschichten vom Tod, die von den Rüstungen und Waffen im Grazer Zeughaus ausgehen, erzählten die in der Ausstellung gezeigten Kleider. Unter das "Zeug" zum Menschenschlachten mischten sich weiche, bunte Stoffe: Gezeigt wurden Gewänder aus vier Epochen und vier (möglichen) Lebensphasen der Frau: Kindheit, Ehe, Schwangerschaft und Alter.

Auf die vier Stockwerke des Zeughauses verteilten die beiden Kostümbildnerinnen Birgit Hutter und Esther Geremus Kleider aus der Renaissance, dem Barock, dem Rokoko und der Moderne.
Kennzeichnend für die Mode der Renaissance sind einengende, kegelförmige Kleider, welche die natürlichen Körperrundungen in geometrische Formen zwängen. Das Korsett umschließt den Oberkörper wie ein Panzer. Steif und streng geometrisch geformt, die Oberfläche so behandelt, dass sie wie Metall wirkt, glichen sich die präsentierten Kleider optisch den Rüstungen an.
Im Barock wird die strenge Kleidergeometrie durch vielschichtige Unterröcke aufgebrochen. Das Dekolleté vergrößert sich, es wird mehr und mehr Haut gezeigt - auch wenn sich die Sittenrichter über die zunehmende Entblößung des weiblichen Körpers entrüsten. Auch die vier ausgestellten Barockkleider wurden in Bezug zu ihrer Umgebung gestellt: Sie wurden nicht auf Modepuppen präsentiert, sondern wie die Rüstungen auf schlichten Holzständern, als handle es sich um Kostüme für Geschlechterkämpfe. Hier allerdings mussten die harten eisernen Harnische lediglich verführerisch weichen Stoffexplosionen standhalten.

Die modische Signatur des Rokoko ist der Reifrock - ein architektonisches Kleidergestell. Frei im Raum hingen vier Krinolinen-Kleider in zeittypischer stofflicher Überfülle und Verspieltheit. Sie waren aus luftigem, weißem, halb durchsichtigem Stoff gefertigt. Auch diese Kleider blieben von ihrer Umgebung nicht unbeeindruckt: Stoffmuster, Gemäldezitate und Architekturbilder der Epoche wurden auf sie projiziert, aber auch Ornamente und Ziselierungen der im Zeughaus befindlichen Zierrüstungen. Eine Windmaschine versetzte die Reifröcke in Bewegung, machte sie zu bunten tanzenden Figuren. In einem anderen Stockwerk breitete sich moderne Couture aus. Den gesamten Fußboden bedeckten Röcke und Gewänder der verschiedensten Kulturen. Sei es Babykleidung, eine Abendrobe oder die Kittelschürze einer alten Frau, sei es ein österreichisches Dirndl, ein indischer Sari oder ein japanischer Kimono, ob aus Leinen, Wolle, Samt oder Damast: Es entstand ein großer Teppich weiblicher Kleiderkultur, dessen Muster sich aus der Verschiedenheit der Provenienzen, Materialien und Schnittformen ergab. Alle ausgelegten Kleider einte ihr Rot-Ton. Statt durch Blutlachen von verletzten Rittern wandelten die BesucherInnen über einen Kleiderteppich, der in der Farbe des Lebenssafts pulsierte.
So wurden die Körper, deren Abwesenheit die Panzerhäute und weichen Hüllen erst bewusst machen, zu den heimlichen Protagonisten der Ausstellung. Ob sich der Mensch nach außen hin metallisch hart oder seidenweich zeigt, er bleibt doch ein Dünnhäuter, bleibt bekleidet oder unbekleidet immer verletzlich. Es gibt keine Frauenrüstungen - und doch rüstet uns jede Art von Kleidung für den Auftritt unter Menschen.

Idee, Konzeption und Durchführung: Birgit Hutter, Esther Geremus

Ein Projekt von Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas.

Datum:10.05.2003 - 31.08.2003
Ort:Landeszeughaus





PROJEKTSPONSOREN:
        
 
externe links:
http://www.museum-joanneum.at
http://www.zeughaus.at




OFFICIAL PARTNERS
SPONSORED BY