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Genre: Ausstellungen
Film/Foto/Neue Medien

CAMERA AUSTRIA bei Graz 2003
European Eyes on Japan
Ein Blick auf Japan aus "Europäischen Augen"

Das Projekt "European Eyes on Japan" wurde in Zusammenarbeit mit dem EU-Japan Fest organisiert und von Christine Frisinghelli, CAMERA AUSTRIA, kuratiert. Die drei europäischen KünstlerInnen Michael Danner, Margherita Spiluttini, Agnieszka Wolodzko wurden eingeladen, sich in zwei Präfekturen Japans mit den geografischen, kulturellen und sozialen Gegebenheiten vor Ort künstlerisch auseinander zu setzen. Die so entstandene Ausstellung war in Graz von 26.07. bis 24.08.2003 im Palais Thienfeld zu sehen.

Das Projekt "European Eyes on Japan", das seitens des EU-Japan Festes bereits in mehreren Kulturhauptstädten organisiert wurde, beruht auf einem - auf den ersten Blick - einfachen Konzept. FotokünstlerInnen aus verschiedenen Ländern Europas werden eingeladen, jeweils eine der japanischen Präfekturen zum Gegenstand ihrer fotografischen Arbeit zu machen: Über die Jahre entsteht so eine Beschreibung des japanischen Territoriums, die von europäischen KünstlerInnen unterschiedlicher nationaler Herkunft erstellt worden ist. Wie der Titel sagt, geht es darum, den Blick auf Japan aus "europäischen Augen" zu thematisieren.
Die Einfachheit dieses Konzepts trifft jedoch unmittelbar auf immens komplexe Fragestellungen: In der politischen Debatte wie auch in der künstlerischen Praxis gibt es wenige Felder, die in den letzten Jahren so intensiv zur Diskussion gestellt worden waren wie die Möglichkeiten und Bedingungen der Beschreibung ökonomischer, sozialer, geografischer Gegebenheiten und insbesondere die Frage der Repräsentation des Fremden.
Es ist in diesem Zusammenhang auch festzuhalten, dass Projekte dieser Art gerade das Medium Fotografie seit seiner Erfindung begleiten. Die Fotografie scheint das Medium par excellence zu sein, um äußere Gegebenheiten zu fixieren; ihre indexikalischen Eigenschaften finden ihren logischen Niederschlag in der Vorstellung, alle Ansichten dieser Welt zu einem totalen Archiv zusammenzufassen. Ein fotografisches Bild befriedigt unseren Wunsch nach einer gültigen und wahrhaftigen Aufzeichnung des Ortes, möge er noch so fremd, bisher ungesehen und fern sein. In einer Fotografie scheint die Welt aus sich selbst zum Betrachter zu sprechen: Diese a priori Glaubwürdigkeit des fotografischen Bildes, seine Rückbindung an das Faktische, der "reality effect", den das Medium produziert, bilden eine scheinbar unerschütterliche Basis - zumindest auf Seiten des Betrachters/der Betrachterin, der/die die Koppelung des bildlich Vorhandenen an das "tatsächlich einmal so Gewesene" zum Ausgangspunkt seiner/ihrer Interpretation macht. Diese Faktoren bilden aber auch die ideologischen Fallen, die von den KünstlerInnen ins Kalkül zu nehmen sind, wollen sie die Komplexität sozialer Wirklichkeit mit der Subjektivität ihrer individuellen Standpunkte begegnen, diese beobachten, beschreiben und im Kontext eines Projektes wie dem vorliegenden darstellen.
Viele Faktoren können im Zusammenhang eines Projektes wie "European Eyes on Japan" von Interesse sein: Etwa die Tatsache, dass hier künstlerische Arbeiten im Auftrag entstanden sind und in diesem Sinn im Gesamtwerk der KünstlerInnen eine besondere Stellung haben: Projekte entstehen in einem definierten Zeitrahmen, die Bedingungen sind durch den Auftraggeber formuliert, und auch die Veröffentlichung (das Buch, die Ausstellung) der Ergebnisse sind möglicherweise anders als es der Fotograf/die Fotografin für seine/ihre Arbeit vorsieht. Interessant sind aber auch die Ideen des Auftraggebers, der den "europäischen Augen" zugesteht, die Gegebenheiten von "Japan Today" auf andere Weise zu betrachten als es etwa japanische Augen tun würden, und der für den Arbeitsprozess selbst und für die Veröffentlichung der Ergebnisse beträchtliche ökonomische Mittel einsetzt und organisatorisch die Verantwortung trägt. Interessant war in der Formulierung des Auftrags auch die Frage nach dem Selbst-Bild des Japan von heute, das mit Bild-Konstruktionen wie den hier vorliegenden künstlerischen Projekten vielleicht nur schwer in Einklang zu bringen ist.
Diese "problematische" Konstellation macht solche Projektarbeiten - natürlich - für KünstlerInnen und KuratorInnen zu einer spannenden Herausforderung: Deshalb habe ich es sehr gerne übernommen, für "European Eyes on Japan 5" drei KünstlerInnen vorzuschlagen, die in den beiden Präfekturen Yamagata, im Nordwesten von Honshu gelegen, und in Oita, auf der südlichen Insel Kyushu, ihre Projekte erarbeiten sollten.
Michael Danner sollte sich auf Yamagata konzentrieren, Margherita Spiluttini ausschließlich in Oita arbeiten, während Agnieszka Wolodzko beide Orte besuchen und die beiden anderen, geografisch definierten Arbeiten "verbinden" sollte.
Es war mir sehr wichtig KünstlerInnen einzuladen, deren Arbeitsweisen, Methoden und Strategien sich mit einem solchen Projekt in Einklang bringen lassen: Ihr Interesse für geografische und soziale Räume, ihre Intelligenz im Einsatz der fotografischen Mittel, und ihre sehr unterschiedlichen Formulierungsweisen und ästhetischen Entscheidungen sollten ein Panorama eröffnen, das den Betrachter/die Betrachterin einbindet in die Bewältigung der eigentlichen Herausforderung solcher Projekte: einen Standpunkt zu finden für eine Beschreibung der (fremden) Wirklichkeit, und eine Form zu finden, die die Konstruktion des Beschriebenen als Erfahrung sichtbar macht."-- Christine Frisinghellí


Idee und Konzeption: EU-Japan Fest
Kuratorin: Christine Frisinghelli

Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas in Kooperation mit EU-Japan-Fest und CAMERA AUSTRIA.

Datum:25.07. - 24.08.2003
Ort:Palais Thienfeld





externe links:
http://www.camera-austria.at




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