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Genre: Theater/Tanz
Musik
Literatur

Literatur - nicht nur für LeserInnen
Sprachmusik
Vom Klang der Worte oder Erkundungen im Zwischenfeld der Künste

Literatur: sinnlich anschaulich gemacht. Zum Hinhören und manchmal auch zum Anfassen. Mithilfe von Musik, Rauminstallationen, akustischen und optischen Reizen. Literatur - nicht nur für LeserInnen

Die Projektidee:
Sprache soll tönen, nicht schildern, meinte Johann Gottfried Herder, und Novalis sekundierte: "Sprache muss Gesang werden." Wassily Kandinsky sprach vom Wort als "innerem Klang", und Alfred Döblin betonte den "Modellcharakter der Musik für die Literatur". Derlei Äußerungen zielen auf Berührungen, Überlagerungen, Durchdringungen von Literatur und Musik, Sprache und Klang, die in der Geschichte der Künste die vielfältigsten Erscheinungsformen angenommen haben. Das Spektrum reicht von der Klangdimension des Sprechens über Mischformen (Lied, Oper etc.) und die musikalische Behandlung von Sprache (z. B. bei Thomas Bernhard oder beim Bachmannpreisträger des Jahres 2001 Michael Lentz) bis hin zur Thematisierung von Musik.

Das Projekt:
Die Vielfalt "sprachmusikalischer" Erscheinungsformen wurde durch eine Reihe lose verknüpfter Programmangebote vergegenwärtigt. Im Zentrum standen zwei Auftragsstücke von Anselm Glück und Gert Jonke (siehe im Genre Theater/Tanz) sowie eine exemplarische Abfolge von sechs Installationen, die zwischen Mai und November 2003 im Literaturhaus Graz zu besichtigen waren. Dazu kam ein Schwerpunktprogramm aus szenischen, musikalischen und literarischen Ereignissen.


Zu den Installationen:

Thomas Bernhard: Transistorklänge oder: Kalte Wände anfüllen mit Musik
"Ja, was ich schreibe, kann man nur verstehen, wenn man sich klarmacht, dass zuallererst die musikalische Komponente zählt und dass erst an zweiter Stelle das kommt, was ich erzähle. Wenn das erste einmal da ist, kann ich anfangen, Dinge und Ereignisse zu beschreiben. Das Problem liegt im Wie. Leider haben die Kritiker in Deutschland kein Ohr für die Musik, die für den Schriftsteller so wesentlich ist.
Mir schafft das musikalische Element eine ebenso große Befriedigung, wie wenn ich Cello spiele, ja eine noch größere, da zum Vergnügen an der Musik noch das an dem Gedanken hinzukommt, den man ausdrücken will." (Thomas Bernhard im Gespräch mit Jean-Louis de Rambures 1983)
In Bernhards Nachlass befinden sich eine umfängliche Platten- und Notensammlung sowie verschiedene Radio- und Tonbandgeräte, die sein Naheverhältnis zur Musik dokumentieren. Da derlei Geräte auch in vielen von Bernhards Stücken eine wichtige Rolle spielen, bildeten sie die zentralen Requisiten der Installation. Die Musik, die über Lautsprecher, Radios oder Plattenspieler zu hören war (z. B. Mozarts "Zauberflöte" oder Schuberts "Forellenquintett"), gab Hinweise auf Bernhards diesbezügliche Vorlieben.
Zur Eröffnung der Installation am 22. Mai 2003 wurde der legendäre Thomas-Bernhard-Film "Drei Tage" gezeigt. Dessen Regisseur Ferry Radax sprach über die Entstehungsgeschichte des Streifens. Am 28. Mai las Bruno Ganz Thomas Bernhards Roman "Der Untergeher", in dessen Mittelpunkt der Pianist Glenn Gould steht.

Peter Handke: Handkefloor oder: Fern vom Lied
"Es ist so, dass die, die Musik hören, manchmal denken, es ist das, was sie tun sollten, schon indem sie die Musik hören, getan." (Peter Handke im Gespräch mit Wim Wenders 1994)
Nach einer Idee von Amina Handke wurde die Gästewohnung des Literaturhauses Graz zu einer Rauminstallation umgestaltet, die das Verhältnis des Autors zur Musik, das Spezifische seiner Musikerfahrung wiedergab. Zudem wurde eine Jukebox aufgestellt, gefüttert mit Titeln, die in Handkes Werk eine Rolle spielen (z. B. von den Beatles oder von Creedance Clearwater Revival)
Zur Eröffnung der Handke-Installation am 16. Mai 2003 war eine szenische Performance mit Musik unter dem Titel "Handke-Album" zu sehen, erarbeitet von der Grazer Off-Bühne "Theater im Bahnhof". (Weitere Vorstellungen gab es am 19., 20., 21., 23. und 24. Mai 2003)

Gert Jonke: Wortwasserfall oder: Das Murmeln der Mur
In Gert Jonkes Werk dominieren, unabhängig vom Thema "Musik", musikalisch-rhythmische Strukturen. Letztlich geht es ihm um ein "Leichtmachen", eine Verflüssigung von Sprache. In diesem Sinn schrieb Jonke eigens für das Projekt "Sprachmusik" einen "Flussmonolog", der mit den Mitteln modernen Computerdesigns zu einem Fließtext umgewandelt wurde, zu einem Wortwasserfall, der im Garten des Literaturhauses für Geistesfrische sorgte.
Zur Eröffnung der Installation am 17. Juni 2003 las der Autor seinen Text, begleitet vom kanadischen Klaviervirtuosen Marc-André Hamelin.

Werner Schwab: Silent Noise oder: Musik enigmatisch erratisch unsympathisch
"Musik ist das einzige Messer, mit dem man auf sich schneiden kann, schnitzen kann, komponieren kann." (Werner Schwab, "Hochschwab")
Musik spielte im Schwab'schen Produktionsprozess eine bedeutsame Rolle: Dröhnend laute Punk-Rock-Musik war sehr oft die akustische Umgebung beim Schreiben. Als Gegensatz dazu schrieb er aber auch in absoluter Stille. Der Kontrast dieser beiden Lautsphären bildeten den Ausgangspunkt der Installation. In einem der zwei Räume wurde der Schreibprozess in absoluter Stille bzw. in ohrenbetäubender Noise-Musik für den Besucher/die Besucherin nachvollziehbar, ein von Schwabs Musik-Stammgeschäft ausgerichteter, nach dem Musikgeschmack des Autors sortierter "Plattenladen", befand sich im zweiten Raum.
Eröffnet wurde die Installation am 18. September 2003 mit einer körpertheatralen Raumassoziation zu Texten von Werner Schwab, erarbeitet vom "Projekttheater Studio Wien" unter der Regie von Eva Brenner. Das Hauptinteresse galt dabei den unhörbaren, zärtlichen Tönen zwischen den pompös klingenden Worten des Autors, den Tönen zwischen den sadistischen Wortgeburten. Es ging um die Poesie, die in der Stille, im Ab- und Zuwarten, im Zögern liegt, "before all hell breaks loose" ...
(Weitere Aufführungen fanden am 20. und 23. September 2003 statt.)

Gerhard Rühm: Foetus oder: Der Atemraum
Im Mittelpunkt stand Rühms 1974 entstandenes Hörstück "foetus", das in subtiler Weise nicht nur auf die Nähe von Musik und Sprache, sondern vor allem auch auf deren gemeinsamen Ursprung hinweist. Zu hören war dieses Stück in einem hermetischen Raum, in den sich die BesucherInnen regelrecht hineinzwängen mussten. Der Raum simulierte eine pränatale Laut- und Bewusstseinssphäre, er wies ganz im Sinne Rühms "auf das modell einer archetypischen befindlichkeit hin: dumpfes eingebettet sein in den ›schoß der natur‹, gekennzeichnet durch wärme, ruhe, geborgenheit, schwereloses treiben ohne konfliktschaffendes ichbewusstsein - vielleicht das, was östliche religionen als nirwana-zustand bezeichnen." (Gerhard Rühm: "Text - Bild - Musik", Wien 1984).
Zur Eröffnung der Installation am 15. Oktober 2003 präsentierte der Autor, zusammen mit Monika Lichtenfeld und zwei weiteren SprecherInnen, unter dem Titel "Sprechkonzert" verschiedene sprachmusikalische Genres und Formen.

Elfriede Jelinek: Piano Forte
Die Orgelabschlussprüfung im Jahr 1971 markiert den Endpunkt von Elfriede Jelineks musikalischer Ausbildung, die an ihrem Werk vielfach sichtbar wird: als theoretische Auseinandersetzung in den Essays, als literarische Umsetzung im Libretto, als sprachliches Kompositionsprinzip und als thematische oder intertextuelle Bezugnahme - etwa auf Franz Schuberts Liedtexte. Die Installation "Piano Forte" bildete das Gegenstück zum "foetus"-Raum Gerhard Rühms. Dort ein begehbarer, höhlenartiger Innenraum, da ein unhintergehbares Außen als harte, abweisende Oberfläche mit den fragmentarischen Bestandteilen eines Klaviers, dissonantes Neben-, Gegen- und Miteinander von Sprache und Tönen. Die rastlose Wanderung entlang der Motiv- und Assoziationsketten erfolgte als "nichtsgewisse" Bestandsaufnahme inmitten einer Schubert'schen Todeslandschaft: "Man bleibt fremd".
Eröffnung: 19. Oktober 2003, 19.30 Uhr, Saal/Literaturhaus; anschließend drama Graz/Landestheater Linz
Piano Forte: 20. Oktober bis 09. November 2003, täglich 10.00-16.00 Uhr, Donnerstag bis 20.00 Uhr, Eintritt frei

Elfriede Jelinek: Das Schweigen. Einer dieser vergeblichen Versuche. Mit Bettina Buchholz. Musik: Josef Klammer. Regie: Ernst M. Binder


Zum Schwerpunktprogramm:
Unter dem Titel "weiterhin baldige besserung" gestaltete Anselm Glück eine Leseperformance mit Musik. Otto Lechner und Monique Schwitter brachten eine szenisch-musikalische Auseinandersetzung mit Jandls letzten Gedichten, die - noch mit dem Autor abgesprochen - erst nach seinem Tod (2000) veröffentlicht wurden - "irgend wann dann muss ja schluss mit froh". Ernst Jandls letzte Lieder.

Herms Fritz erweiterte in "Saundtreck" die Ästhetik einer konventionellen Lesung. Der Grafiker, Schriftsteller und leidenschaftliche Musik-Scout Fritz verstand das Vorhaben als "Versuch, mit künstlerischen Mitteln zu erkunden, / was sich, / bei Verzicht auf Hochsprache, / unterstützt durch die nicht-sprachliche Klangwelt, / ausdrücken lässt."
Der "Quer: Sampler" präsentiert Popsongs nach literarischen Texten. Kuratiert von Wolfgang Pollanz, schrieben 14 Autorinnen und Autoren eigens für dieses Projekt Songtexte, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Bands musikalisch aufbereitet wurden. Es handelt sich im Einzelnen um folgende Formationen: Franzobel - Norbert Trummer; Lilian Faschinger - Portnoy; Bodo Hell - Fast 3; Martin Amanshauser - Gelée Royal; Monika Wogrolly – Tiger S.; Mike Markart - Clemens Haipl; Margret Kreidl - Eva Ursprung; Andrea Sailer - ultrascope; Hanno Millesi - Franziska Abgottspon/Thomas Geldmacher; Werner Schandor - DJ Kolchos & DJ Sowchos; Günther Freitag - Lassos Mariachis (feat. Birgit Paul, mit Fotoprojektionen von Gerald Klec); Johannes Grenzfurthner - Der Schwimmer; Stermann/Grissemann - Fritz Ostermayer.


Idee und Konzeption: Gerhard Melzer
Durchführung: Gerhard Melzer, Alexander Kada, Literaturhaus Graz

Eine Koproduktion von Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas und dem Literaturhaus Graz.

Datum:Veranstaltungen und Installationen ab 16. Mai 2003
Ort:Literaturhaus
Literaturhaus, Garten
Schauspielhaus



Subprojekte:
Anselm Glück: innerhalb des gefrierpunktes
Gert Jonke: Chorphantasie


MEDIENPARTNER:
  
 
externe links:
http://www.literaturhaus-graz.at
http://www.quer.at




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